Willst du bei uns Bufdi werden?

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# KGV & D | Aktuelles für Innenstadtverband und Dom

Willst du bei uns Bufdi werden?

Lübeck. Viele Kirchengemeinden stehen vor einem Problem: Durch die landesweite Rückkehr der Gymnasien vom achtjährigen (G8) zum neunjährigen (G9) Bildungsweg machen in diesem Jahr nur wenige Schüler:innen ihr Abitur. Die Folge: Es gibt kaum junge Menschen von diesen Schulen, die sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) entscheiden können. Entsprechend begehrt sind junge Frauen und Männer in Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen. Zwei Beispiele.

Freiwillige dringend gesucht! 

Jugendliche Helfer im Sozialdienst werden mitunter als „Mädchen für alles“ belächelt. „Totaler Quatsch“, sagt Margrit Wegner: „Sie sind ein Geschenk des Himmels.“ Die Dompastorin sucht für ihre Gemeinde zum Herbst 2026 Unterstützung. Wer sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder seinen Bundesfreiwilligendienst als „Bufdi“ ableisten möchte, ist willkommen. Welches Anforderungsprofil sollen die Bewerber mitbringen? Wegner überlegt nicht lange: „Wir suchen ein vollwertiges Teammitglied. Jemanden, der Lust hat auf Verantwortung und der oder die sich bei uns austoben möchte.“ Einen Menschen, der Küsterdienste übernimmt, Spiele anleitet, Konfi-Freizeiten und Veranstaltungen begleitet. „Der oder die muss auch mal 600 Stühle aufstellen und nach einem Konzert abends den Dom abschließen.“ 

Ein Bufdi mit Schlüsselgewalt

Tatsächlich hat Birk Folchnandt die Schlüsselgewalt über das renommierte Gotteshaus. Der 22-jährige Bufdi ist seit November 2025 beim Dom. Ende August beginnt er ein Studium. Zuvor hatte er technische Studiengänge ausprobiert, aber nicht das Richtige gefunden. Nun wird er an der Evangelischen Hochschule Hamburg studieren. Folchnandt ist getauft und konfimiert. Seine Eltern sind beide Diakon. „Ich bin schon als Baby am Altar herumgekrabbelt.“ 

Der Glaube gebe ihm eine Art Grundsicherheit, aber die Arbeit in der Gemeinde sei noch soviel mehr. „Wir wollen Jugendlichen einen sicheren Hafen geben und die Welt ein bisschen besser machen.“ Trotz seines Idealismus blickt Folchnandt kritisch auf alte Strukturen. „Geld ist da, das ist meistens nicht das Problem. Es wird nur nicht richtig genutzt. Ältere mischen sich zu oft ein. Es müsste eigentlich in jeder Gemeinde einen Jugendraum geben. Wenn das nicht geht, dann muss man das übergemeindlich hinkriegen.“

Der erste FSJler in Luther-Melanchthon 

Auch der 19-jährige Marcel Schmidt hat seinen ganz eigenen Blick auf die Kirche. Er arbeitet seit Februar 2026 als FSJler in der Lutherkirche und möchte in diesem Jahr anfangen, Geografie zu studieren. Er ist als „Junior“ im Kirchengemeinderat tätig und kümmert sich um die Tansania-Arbeit mit der Partnergemeinde Mwanza, der zweitgrößten Stadt des afrikanischen Landes. „Wir unterhalten dort ein Kindergarten- und Schulprojekt, haben Brunnen gebohrt und besprechen uns einmal im Monat in einer Zoom-Konferenz.“ Alle vier Jahre besuche man sich gegenseitig.

Was zieht er aus der Kirchenarbeit? „Ich habe liebe Menschen um mich, die wertvolle Arbeit machen und vor der Realität nicht die Augen verschließen.“ Schmidt ist getauft und konfirmiert, sagt aber auch: „Ich bin einer der Ungläubigsten, der sich engagiert.“ Er arbeitet seit fünf Jahren ehrenamtlich in der Gemeinde und braucht das Gefühl, etwas zu schaffen. 

“Ich brauche das Gefühl zu schaffen”

Marcel Schmidt ist der erste FSJler in der Gemeinde. „Wir haben schnell gemerkt, dass wir wieder jemanden brauchen“, sagt Cordula Folchnandt, die die Ehrenamtlichen koordiniert. Das pastorale Team, Constanze Oldendorf und Thorsten Rose,  haben ein Video gedreht, mit dem sie auf die Suche nach Bewerber:innen gehen. Die Lutherkirche ist bekannt für ihre Mehrgenerationenarbeit und den großen Leuchtturm vor dem Haus. Kann die Arbeit in der Gemeinde für jeden ein ganz eigenes „Leuchtturmprojekt“ werden? „Klar“, sagt Folchnandt. Auch bei ihnen soll der neue FSJler oder Bufdi anpacken und seine Talente einbringen. Dabei geht es um die Social Media, um Arbeit von der Kita über die Konfis bis zum Seniorenkreis. Das Versprechen lautet: ein Jahr voller Möglichkeiten. Mehr als ein Taschengeld gibt es dafür aber nicht. Der Dienst an der Gemeinschaft und die Lebenserfahrung hingegen sind unbezahlbar.

Hintergrund zum FSJ und BFD

Der Zivildienst wurde am 1. Juli 2011 offiziell ausgesetzt. Daraufhin wurde der Bundesfreiwilligendienst (BFD) eingeführt, der allen Geschlechtern und Altersgruppen offensteht. Das Freiwillige Soziales Jahr (FSJ) ist ein gesetzlich geregeltes Bildungs- und Orientierungsjahr für junge Menschen. Es bietet die Möglichkeit, in sozialen Einrichtungen zu arbeiten, praktische Erfahrungen zu sammeln und sich beruflich zu orientieren. 

Im BFD und beim FSJ spricht man nicht von einem Gehalt, sondern von einem Taschengeld. Dies liegt nach übereinstimmenden Quellen aktuell bei mindestens 250 Euro und maximal 676 Euro im Monat im BFD. Wie Cordula Folchnandt mitteilt, liegt das Gehalt eines FSJler bei 550 Euro ab dem Sommer. 

Wer Interesse an einem FSJ oder BFD hat, freie Stellen gibt es unter anderem auf unserem Jobportal. Hier geht es lang. 

Die Kirchengemeinde Luther-Melanchthon hat ein kleines Info-Video erstellt. Kontakt zur Domgemeinde in Lübeck gibt es unter der Telefonnummer 0451-30808033 oder per Mail: wegner@domzuluebeck.de

Autorin: Sina Worm

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