GEDENKORT
Pamir // Kapelle
Das zerschlagene Rettungsboot erinnert an den Untergang des Großseglers Pamir im Jahr 1957. Nur 6 Besatzungsmitglieder überlebten die Katastrophe im Orkan des Nordatlantik, 80 ertranken. Die meisten von ihnen waren junge Menschen.
Schicksal
Einer von ihnen war Dieter Streeck. Sein Name steht auf der Tafel der Opfer in unserer Kapelle – stellvertretend für alle, die auf See ihr Leben verloren haben.
Als die Viermastbark Pamir am 21. September 1957 während des Hurrikans Carrie im Atlantik sank, erschütterte die Nachricht ganz Deutschland. Von den 86 Menschen an Bord überlebten nur sechs. Die Katastrophe markierte das Ende einer Epoche der großen Frachtsegelschiffe und wurde für viele Familien zu einer Wunde, die bis heute nicht ganz verheilt ist.
Die Gedenkkapelle erinnert jedoch nicht nur an die Besatzung der Pamir. Sie führt uns vor Augen, wie verletzlich menschliches Leben ist. Was auf See geschieht, verdichtet auf besondere Weise eine Erfahrung, die alle Menschen kennen: Wir planen unseren Kurs – und doch geraten wir manchmal in Stürme, die wir weder vorhersehen noch beherrschen können.
Die Gefahren der Seefahrt scheinen heute weit entfernt. Doch der Blick auf unsere Welt erzählt eine andere Geschichte: Jahr für Jahr verlieren Menschen auf den Meeren ihr Leben – Seeleute ebenso wie Menschen, die auf der Flucht auf eine sichere Zukunft hoffen. Allein 2019 ertranken vermutlich mehr als 1.800 Menschen im Mittelmeer auf ihrem Weg nach Europa.
Auch frühere Generationen kannten diese Erfahrung. Der historische Text neben dem Rettungsboot erinnert an ein Schiffsunglück aus dem Jahr 1508. Über die Jahrhunderte hinweg verbindet diese Kapelle die Erinnerung an Menschen, deren Reise nicht ihr geplantes Ziel erreichte.
So ist sie mehr als ein Ort des Gedenkens. Sie lädt dazu ein, der Verstorbenen zu gedenken, für die Menschen auf See zu beten und neu Vertrauen zu fassen auf den, von dem es im Psalm heißt: „Führen mich auch die Tiefen des Meeres, so hält doch deine Hand mich.“ (vgl. Psalm 139)