Vom Tischdienst, den Konfis und der Abendmahlsgemeinschaft. Predigt über einen Text aus der Apostelgeschichte

Vom Tischdienst, den Konfis und der Abendmahlsgemeinschaft. Predigt über einen Text aus der Apostelgeschichte

Vom Tischdienst, den Konfis und der Abendmahlsgemeinschaft. Predigt über einen Text aus der Apostelgeschichte

# D | Predigten

Vom Tischdienst, den Konfis und der Abendmahlsgemeinschaft. Predigt über einen Text aus der Apostelgeschichte

Mit dem Tischdienst ist das so eine Sache, liebe Gemeinde. Gerade wenn viele zusammenkommen. Die einen drücken sich lieber vor der Aufgabe. Die anderen haben Sorge, bei jeder Mahlzeit zu kurz zu kommen. Neulich auf der Bäk bei der Konfifreizeit saßen 60 Jugendliche am Tisch. Am ersten Abend gab es Spaghetti. Jede Köchin weiß: Damit kann sie wenig falsch machen bei jungen Menschen im Wachstum. Die ersten 50 Jugendlichen langten kräftig zu. Das führte dazu, dass die anderen zehn warten mussten, bis eine weitere Ladung nachgekocht wurde. Während die letzten endlich auf ihren mehr als bissfesten Nudeln herumkauten, räumten die ersten schon ihre Teller ab – und eine nicht geringe Menge Nudeln landete tatsächlich im Abfall. Der Tischdienst hatte das Nachsehen. Die Konfis, die sich dafür gemeldet hatten, mussten Soßenmatsch aufwischen und ärgerten sich über Essensreste im Müll. Was für eine Verschwendung! Die einen hatten sich überreichlich bedient, die anderen hatten im wahrsten Sinne das Nach-Sehen mit knurrendem Magen. Gemeinsame Mahlzeiten mit vielen verstehen sich nicht von selbst. Sie brauchen Übung. Zumal wenn unterschiedliche Menschen zusammenkommen, die sich gerade erst kennenlernen und die vom Erlebten ausgepowert und ausgehungert sind. Am zweiten Tag gab es Pommes. Noch beliebter als Nudeln. Sie ahnen es, oder? Überraschung: Diesmal blieb niemand hungrig. Der Tischdienst war auch schnell gefunden. Eine gute Erfahrung: Konflikte lassen sich lösen, wenn sie benannt und wenn alle gehört werden.

Mag sein, dass die Frage nach dem Tischdienst und nach dem Sattwerden in der Urgemeinde anders und doch ähnlich gestellt wurde. Damals, ganz am Anfang, als alles noch neu war. Als die allersten Christenmenschen sich einübten in den neuen Glauben so wie die Konfis jetzt. In dieser Zeit wuchs die Zahl der Jünger stetig, berichtet die Apostelgeschichte. Doch bald wurden in der Gemeinde Klagen laut. Sie kamen von den Griechisch sprechenden Mitgliedern, die aus anderen Ländern zugezogen waren. Die warfen den Hebräisch sprechenden Einheimischen vor, ihre Witwen bei der täglichen Speisung zu übergehen.

Die Geschichte einer Konfliktlösung in einer Umbruchzeit, 2000 Jahre alt und nah an dem, was wir von Montag bis Mittwoch mit den Konfis erlebt haben – wenn auch unter anderen Vorzeichen: Damals stieg die Zahl der Interessierten, wurden die Gemeinden geflutet von Neugierigen, die mehr wissen wollten von diesem Jesus, von dem die Menschen sagten, er sei der Christus, der Messias, der Erlöser. Heute erleben wir einen anderen Umbruch. Menschen wenden sich ab von Kirche, treten aus, weil ihnen diese Gemeinschaft nichts gibt. Bei den Konfis, behaupte ich mal, gibt es viel mehr, die neugierig sind, die mehr wissen wollen, die Sehnsucht haben nach etwas, wofür die Worte noch fehlen. Gleichgültigkeit und Desinteresse sind wirklich selten. Aber wie ganz am Anfang gibt es welche, die von zu Hause, aus Kindergarten oder Religionsunterricht Gebete kennen, Geschichten und Gottesdienste, so wie die jüdischen Urchrist:innen. Für andere ist alles neu und seltsam, so wie für Menschen aus dem griechischen Umfeld damals. Schon die allerersten Jesus-Nachfolger:innen, die ersten Gemeinden waren divers. Nie war überall nur Friede, Freude, Abendmahl. Ein Herz und eine Seele, urzeitliche Gütergemeinschaft, „Liebeskommunismus“, das sind idealisierte Bilder der Urgemeinde. Klar ist von Anfang an: Pluralität und Vielfalt sind anstrengend, im Kleinen wie im Großen. Konflikte und Auseinandersetzungen gehören dazu, bei der Frage der Witwenversorgung damals, unter Jugendlichen auf Konfifreizeit heute und überhaupt in einem Land kurz vor entscheidenden Wahlen. Wie schafft man es, trotz grundverschiedener Zugänge und Voraussetzungen eine gute Gemeinschaft für alle zu bilden? Einen Lebensraum zu schaffen, in dem niemand übersehen wird? Die Apostelgeschichte berichtet von pragmatischen Regelungen: Daraufhin beriefen die Zwölf eine Versammlung aller Jünger ein und sagten: »So geht das nicht! Wir können doch nicht die Verkündigung von Gottes Wort vernachlässigen – und uns stattdessen selbst um die Essensausgabe an den Tischen kümmern. Brüder und Schwestern, wählt aus eurer Mitte sieben Männer aus. Sie sollen einen guten Ruf haben und vom Geist Gottes und von Weisheit erfüllt sein. Ihnen werden wir diese Aufgabe übertragen. Wir dagegen werden uns ganz dem Gebet und der Verkündigung widmen.« Der Vorschlag fand die Zustimmung der ganzen Versammlung.

Problem erkannt, Konflikt benannt, Lösung gefunden, alle happy. Dazu muss man wissen: Es gibt zu der Zeit noch gar keine festen Organisationsformen des Gemeindelebens, keine Gottesdienstordnung, keine Gremien. Was es aber gibt: Eine Gemeinschaft der Suchenden mit ganz unterschiedlichen individuellen Vorstellungen, einige mit jüdischen Wurzeln, andere aus dem griechischen Kulturraum. Was sie eint: Sie versammeln sich im Namen des Auferstandenen. Sie singen. Sie beten. Sie essen zusammen. Teilen Brot und Wein, das Mahl der Erinnerung. Um das besser zu organisieren und Ungerechtigkeit zu vermeiden, werden klare Aufgaben verteilt. Tischdienst eben, oder besser: Altardienst – und zugleich auch Armenpflege, denn beim Abendmahl sollen auch die Ärmsten satt werden können. Mit der Arbeitsteilung können andere ganz und gar die Verkündigung übernehmen und von Jesus erzählen. Zu den Zwölfen kommen nun die Sieben, zu den Aposteln die Diakone: Sie wählten Stephanus, einen Mann mit festem Glauben und erfüllt vom Heiligen Geist. Hinzu kamen Philippus, Prochorus, Nikanor, Timon, Parmenas und Nikolaus, ein Grieche aus Antiochia, der zum jüdischen Glauben übergetreten war. Diese sieben ließ man vor die Apostel treten. Die beteten für sie und legten ihnen die Hände auf. Das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger in Jerusalem wuchs immer weiter. Sogar von den Priestern nahmen viele den Glauben an Jesus an.

Unsere Sieben in der letzten Woche hießen Lotta und Lasse, Nelly, Anna, Mara, Toni und Emilia. Die haben als Teamer:innen dem Bufdi Birk, Pastor und Pastorin auf der Konfifreizeit zur Seite gestanden. Und so, wie die Diakone nie nur für den Tischdienst allein zuständig waren, haben auch diese Sieben verkündigt. Ganz handfest und konkret haben sie den Konfis von ihrem Glauben, ihren Fragen und Zweifeln erzählt. In einer Art, dass auch bei uns Hauptamtlichen der Glaube zunehmen konnte. Nicht nur in den Einheiten zum Abendmahl, zu Abschied und biblischen Geschichten, sondern auch in der Andacht von Nelly und Lotta spätabends im Kerzenschein. Zu der Geschichte vom Barmherzigen Samariter haben die beiden Teamerinnen so mutig vor all den Konfis Fragen benannt: Wem kannst du zum Nächsten, zur Nächsten werden? Was siehst du in anderen Menschen, und was sieht Gott? Wie kann ich, wie kannst du glauben? Ich weiß nicht, ob ich mich das als 16-Jährige getraut hätte!

Es waren wirklich sehr sonnige Tage auf der Bäk, draußen wie drinnen. Am Ende haben wir Brot und Traubensaft geteilt. Für viele Konfis war es das erste Abendmahl ihres Lebens. Schlicht und einfach haben wir es gefeiert, ohne die große Liturgie wie hier im Dom. Das haben wir gelernt in all den Jahren mit unseren Konfis: Da nehmen wir das auf, was da ist an gemeinsam Erlebtem. Bringen es mit an den Tisch. Suchen Worte für diesem Moment, die sich wundersam finden. So intensiv wie diesmal jetzt auf der Bäk war das selten. Alle waren ganz bei der Sache. Da war eine Gemeinschaft zu spüren, die Worte nicht fassen. Wir waren da. Und Gott war da. Mittendrin.

Abendmahl und alle happy? Natürlich gab es auch die anderen Momente. Die nächtlichen Ansprachen von Birk und den Teamer:innen, als immer noch nicht Ruhe war auf den Fluren. Die Kollateralschäden jugendlichen Kräftemessens, nicht an Menschen, aber an Möbeln. Die Überforderung für manche mit dem Gruppengeschehen, Gewusel, Geräuschpegel. Wie die Urgemeinde sind auch Konfigruppen nie nur ein Herz und eine Seele. Aber vielleicht sind diese Gemeinschaftserlebnisse etwas, das prägt. Das trägt, vielleicht ein Leben lang. Vielen von uns jönnten ein Lied davon singen. Diese Gemeinschaft, die trotz aller Unterschiede verbindet. Ich finde: Das ist etwas, das wir als Christenmenschen einbringen können in unsere Gesellschaft, die sich gerade immer weiter in kleine und kleinste Interessengrüppchen zerlegt. Eine Gemeinschaft, die Konflikte aushält. Die trägt, wenn es eine gemeinsame Richtung gibt, eine Idee von Zusammenhalt und das Erlebnis, miteinander mehr zu erreichen als gegeneinander. Wo die Angst, zu kurz zukommen, zurücktreten kann. Denn es ist doch reichlich da. Am Abendmahlstisch sowieso – und eigentlich doch auch für alle in diesem reichen Land, oder? Amen                

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