13/07/2026 0 Kommentare
Über Altäre, Ansgar und erstaunlich viele Treppenstufen
Über Altäre, Ansgar und erstaunlich viele Treppenstufen
# M | Aktuelles

Über Altäre, Ansgar und erstaunlich viele Treppenstufen
Es gibt Freundschaften, die halten ein Leben lang. Und es gibt den Besuchsaustausch zwischen St. Marien Lübeck und dem Schleswiger Dom. Beides hat erstaunlich viel gemeinsam: Man freut sich aufeinander, hat sich immer etwas zu erzählen – und geht am Ende mit dem guten Gefühl nach Hause, bereichert worden zu sein.
So machten sich auch in diesem Jahr einige Ehrenamtliche aus St. Marien auf den Weg nach Schleswig. Dort wartete nicht nur ein herzliches Willkommen, sondern auch ein Programm, das es mühelos schaffte, mehr als 500 Jahre Kunstgeschichte lebendig werden zu lassen.
Im Mittelpunkt stand natürlich der weltberühmte Brüggemann-Altar. Aber wer jetzt an trockene Vorträge denkt, irrt gewaltig. Unsere Gastgeber öffneten den Blick auf dieses gewaltige Kunstwerk aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: kunsthistorisch, theologisch, historisch – und sogar modisch. Ja, tatsächlich: Wer genau hinsieht, entdeckt an den fein geschnitzten Figuren, was man in der Renaissance trug. Holz kann eben mehr erzählen, als man denkt.
Natürlich ging es auch um die großen Fragen: Welche Spuren hat Albrecht Dürer hinterlassen? Wie erschließt sich der Altar aus evangelischer und katholischer Sicht? Und was verrät er über die bewegte Zeit, in der er entstand? Es wurde zugehört, nachgefragt, diskutiert – genau so, wie man sich einen gelungenen Austausch unter Kirchenfreunden wünscht.
Zwischendurch sorgten Suppe, Brot, Käse und Obst dafür, dass nicht nur der Geist, sondern auch der Magen bestens versorgt war. Eine kluge Entscheidung, denn danach wurde noch einmal der Bogen von der Geschichte in die Gegenwart gespannt. Wie können große Stadtkirchen heute Orte des Glaubens und zugleich attraktive Ziele für Besucherinnen und Besucher sein? Ein Thema, das auch St. Marien bewegt. Umso schöner, dass Pastor Pfeifer derzeit gemeinsam mit einer Kollegin aus Rostock ein Netzwerk großer Stadt- und Tourismuskirchen der Nordkirche auf den Weg bringt – selbstverständlich mit dem Schleswiger Dom als künftigem Gesprächspartner.
Anschließend führte uns ein Vortrag zurück zu Ansgar, der vor rund 1.200 Jahren von Schleswig aus den Norden missionierte. Manchmal merkt man erst im Rückspiegel der Geschichte, wie tief die eigenen Wurzeln reichen.
Und wer nun glaubte, Kaffee und Kuchen seien der gemütliche Schlusspunkt des Tages, hatte die Rechnung ohne unsere Gastgeber gemacht. Denn plötzlich ging es nur noch in eine Richtung: nach oben. Über den Gewölben, unter dem Dach und schließlich im Turm des Doms warteten Geschichten über Balken, Steine, Glocken und Jahrhunderte. Ganz nebenbei zeigte sich: Ehrenamtliche verfügen nicht nur über Neugier und Ausdauer, sondern offenbar auch über eine beachtliche Treppenkondition.
So ging ein Tag zu Ende, der einmal mehr zeigte, warum dieser Austausch längst mehr ist als ein gegenseitiger Besuch. Er ist gelebte Verbundenheit – getragen von Neugier, Gastfreundschaft und der Freude daran, voneinander zu lernen.
Liebe Schleswiger: Vielen Dank für diesen wunderbaren Tag! Wir kommen gern wieder.
Auf dem Gruppenfoto (Johanna Plath fehlt): Norbert Trabs, Dirk Schwab, Annette Gahn und Jochen Eicke.

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