13/06/2026 0 Kommentare
Klare Rahmen und großes Vertrauen: Konfirmationspredigt von Pastorin Margrit Wegner
Klare Rahmen und großes Vertrauen: Konfirmationspredigt von Pastorin Margrit Wegner
# D | Predigten

Klare Rahmen und großes Vertrauen: Konfirmationspredigt von Pastorin Margrit Wegner
Konfirmationspredigt am 13. Juni von Pastorin Margrit Wegner
Wer bestimmt den Rahmen meines Lebens? Liebe Konfis, liebe Konfirmationsgemeinde, wer gibt vor, wie mein Leben aussehen soll? Die Familie, sagen eure Großeltern vielleicht. Die Welt, in der ihr lebt, denken Eltern, die Herausforderungen dieser schrecklich-schönen Zeit. Was meint ihr selbst? Bestimmt ihr den Rahmen oder andere Menschen? Sind Erwartungen und Ansprüche im Fokus, also Schule und Noten? Oder setzen Algorithmen Grenzen, die eine KI dann verschiebt? Limitieren Ängste und Sorgen alle Möglichkeiten?
Eure Konfizeit hatte einen klaren Rahmen. 85 Jugendliche. Fünf Gruppen. Ein Jahr, anderthalb Stunden Konfizeit jede Woche, zwei Konfifreizeiten. Klare Regeln: 2x im Monat in den Gottesdienst gehen, 24x insgesamt. Der Rahmen gab Linien vor, die ihr füllen konntet. Setzte Grenzen und erweiterte Perspektiven.
Bei den Gottesdiensten war das zu spüren. 24 waren nicht bloß lästige Pflicht. Maria hat locker den Rahmen gesprengt mit 55 Gottesdiensten im Jahr, Hilde mit 37 und andere auch mit weit über 30. Ihr habt am Sonntagmorgen, in Andachten vor der Schule, in Taizégottesdiensten oder beim Abendsegen gefunden, was trägt. Stille. Entspannung. Und Hoffnung. Jesus sagt: Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken. Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe. Lernt von mir: Ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab. Da werden eure Seelen Ruhe finden. Denn mein Joch ist leicht. Und was ich euch zu tragen gebe, ist keine Last.
Oft war spürbar, wie viel auf euch lastet. Hier haben Kerzen gebrannt vor Klassenarbeiten. Ihr habt bei Streit und Stress um Hilfe gebetet, für kranke Großeltern, bei Fragen von Leben und Tod. Milla, Simon, Klara und Jördis waren beim Hockey gefordert, Jonas beim Fußball, Pia G. beim Volleyball. Das verlangt euch viel ab neben der Schule. Lieke, Paula, Mimi und Pia mussten Staffeltag und Konfifreizeit verbinden. Die anderthalb Stunden Konfizeit dienstags oder donnerstags waren oft ein Aufatmen. Ruhe für die Seele. Habt ihr vor einem Jahr geahnt, wie diese Atempausen euren trubelig-bunten Alltag strukturieren?
Konfizeit sind nicht nur wöchentliche Treffen. Da war das Laternelaufen, bei dem Josephine vorwegging, stark im Umgang mit den Kindern, und Emilia, selbstbewusst und frei. Lieke und Greta direkt hinter St. Martin und seinem Pferd. 1000 Kinder und Eltern habt ihr angeführt und das Tempo gesetzt. Mich hat das beeindruckt. Da war Halloween, wo R und Philipp zum ersten Mal vor all den Kinder standen und Martin Luther befragten, also Birk in seiner Kutte. Bei den Fotos dafür waren Sarah und Sabeth begeistert dabei und Katharina mit Anmut vor der Kamera. Jesse hatte Spaß und Henriette, die heute fehlt. Ihr habt bei der Churchnight mit 400 anderen Konfis in St. Jakobi getanzt. Ich weiß noch, wie Lotta und andere da dem ehemaligen Lübecker Polizeichef im Workshop erklärten, was sie gerade über die Rückführung von Flüchtlingen erfahren hatten in der Konfigruppe. So mutig! Ihr wart in St. Petri im lichthellen Raum und konntet die JETZT-Zeit ohne Handy genießen.
Im Rahmen eurer Konfizeit gab es Gottesdienste, in denen ihr mitgemacht habt. Nils Holgersson mit dem Theater etwa. Für Luise, Luise, Paula, Jördis war es erst mit Herzklopfen verbunden, vor der Gemeinde zu sprechen. Dann war es einfach nur schön. Das Krippenspiel mit Ella als Maria und Lena als Josef und dem größten Plüschochsen, den der Dom je gesehen hat. Leonie, Lilie, Lotta und Simon haben die Weihnachtsgeschichte erzählt, Hilde und Luise die ganze Gemeinde zum Mitmachen gebracht. Oder der Harry-Potter-Gottesdienst, in dem ihr mitspielen konntet. Das war bei aller Mühe unfassbar viel Freude für euch und für die ganze Gemeinde. Ihr habt gemerkt, was in euch steckt und was ihr geben könnt.
Manche Fotos von Gottesdiensten und Freizeiten habt ihr in euren Konfibüchern. All diese Bilder sind gerahmt. Haben eine weiße Umrandung. Sie zeigen einen Ausschnitt von dem, was in euch steckt und was ihr preisgebt von euch. Ein Rahmen sagt: Das hier ist wertvoll. Das halte ich fest. Gerahmt wird, was Bedeutung hat. Mit Gottes Blick heißt es: „Du bist es wert, angesehen zu werden. Ich gebe deinem Leben eine klare Kontur.“
Ihr spürt: In der Gruppe könnt ihr einander ins Bild setzen. Ihr macht einander nicht klein, ihr drängt niemanden nicht an den Rand. Ihr könnt anderen helfen, sich selbst anzusehen im liebevollen Blick Gottes. Glaube, Konfi-Gemeinschaft und Gemeinde heißt ja auch, anderen zu zeigen: „Du bist wichtig. Wir sind alle Gottes Kinder. Wir haben alle einen Wert und eine Würde bei Gott. Niemand ist ausgenommen. Wir gehören zusammen.“ Das war deutlich, als ihr von Müllstadtkindern in Kairo gehört habt oder den Schulen in Israel für alle Religionen. Danach habt ihr Bischöfin Kirsten Fehrs auf der zweiten Freizeit gefragt. Auch davon habt ihr Bilder in euren Büchern.
Ein weißer Rand macht nicht nur Fotos edler und wertiger. Ich glaube, dass es einen anderen Rahmen gibt. Für mich ist die Taufe eine Rahmung, die euer ganzes Leben umfasst. Weiß ist die Farbe der Taufe. Die Christusfarbe. Mit der Taufe habt ihr Leitlinien und einen Halt, der es euch ermöglicht, das Leben immer wieder neu in den Blick zu nehmen. Neue Ausschnitte wahrzunehmen. Neue Perspektiven zu entdecken. Heute bestätigt ihr eure Taufe. Macht euch neu fest an diesem Bund Gottes mit euch.
Ganz viele von Euch durfte ich taufen. In ganz unterschiedlichem Rahmen. Daniel, Philipp, Mia, Emma und Lotta als Babys schon vor langer Zeit. R jetzt als erste der Konfigruppe, dann Pia, Pia, Enna, Antonia, Mimi, Jördis im Abendsegen oder Taizégottesdienst, Amelie, Sophie, Marieke und Anouk in der Osternacht und neulich erst Anna und Jana in ihrem Taufgottesdienst. Jede Taufe Gänsehaut pur. Weil die Berührung mit Wasser wirklich unter die Haut geht. Weil da etwas bleibt von eurem Strahlen und von Gottes Glanz. Eure Taufe gibt dem Leben einen Fokus. In dieser wuselig-hektisch-schnelllebigen Welt mit ihren ständigen Benachrichtigungen, Erwartungen und Ablenkungen hilft eure Taufe, hilft euer Glaube immer wieder zu fragen: Was zählt eigentlich wirklich?
Was zählt, wenn das Leben mehr ist als Erfolg im Sport, als große Feste, als strahlende Begegnungen und enge Freundschaft? Was zählt, wenn eine Liebe zerbricht, wenn der Großvater stirbt, wenn Träume sich nicht erfüllen? Wenn alles auseinanderfällt, ist schwer zu erkennen, wer oder was das Leben zusammenhält. Und wer definiert, was gutes Leben dann ist? Jesus sagt: Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch abmüht und belastet seid! Ich will euch Ruhe schenken. Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe.
Ein Joch ist ein besonderer Balken. Früher hat man das auf die Schultern von Menschen oder auf Zugtiere gelegt. So können schwere Lasten getragen werden. Es verteilt das Gewicht, sodass die Last nicht nur auf einer Seite oder auf einer Person liegt. Wenn Jesus sagt: „Mein Joch ist sanft“, meint er: Ihr müsst das Leben nicht allein tragen. Ich gehe mit und helfe euch.
In eurer Konfizeit habt ihr das erlebt. Jesus setzt Grenzen, die nicht einengen, sondern Halt geben. Hält euer Leben zusammen. Manchmal könnt ihr das spüren. Da ergibt alles Sinn. Da fühlt ihr euch gehalten. An anderen Tagen geht das im Alltag verloren. Da ist dann so viel anderes dran, dass ihr kaum Luft holen könnt. Wenn ihr den Fokus verliert, denkt in diesem Horizont. An eure Taufe. Den großen Zuspruch Gottes. Setzt euch einen Augenblick hin, hier im Dom, unter weitem Himmel oder in euren Lieblingssessel. Mit einer Kerze am Lichteraltar oder vor euch auf dem Tisch. Faltet die Hände. Oder öffnet sie. Haltet Gott alles hin, was gerade zu groß ist oder zu schwer. Und dann macht mit euren Fingern einen Rahmen.
Nehmt in solchen Momenten das Leben neu in den Blick. Versucht, es mit Gottes Augen zu sehen. Auf den Ausschnitt kommt es an. Dasselbe Leben kann ganz unterschiedlich aussehen, je nachdem, worauf ich schaue: auf Fehler, Druck und Vergleiche oder auf Möglichkeiten, Menschen, auf meine Hoffnung.
Wenn ihr das Gefühl habt, dass andere sich ein falsches Bild von euch machen oder euch einengen mit ihren Ansprüchen, denkt daran: Solch eine Umrandung ist immer kleiner als die Wirklichkeit. Kein Bild zeigt alles. Ihr seid mehr als eure Schulnoten, als Herzchen und Likes, als große Erfolge und kleine peinlichen Momente. Ihr seid so viel mehr als das, was andere über euch sagen. Jesus schaut anders auf Menschen. Im Predigttext spricht er von den „Unmündigen“, den Einfachen, von den Menschen, die nicht perfekt sind. Also von uns allen. Gott braucht kein makelloses Bild von euch. Er gibt euch Spielraum, in dem gelingendes Leben möglich ist.
In die Konfirmationsurkunde habe ich euch einen kleinen Rahmen geklebt. Nehmt den mit. Nicht als Zeichen dafür, dass ihr eine fertige Vorstellung vom Leben braucht oder perfekt seid. Sondern als Erinnerung: Gott setzt euch ins Bild und sagt: Du gehörst zu mir. Du bist im Fokus für mich. Weil ich dich liebe – für immer und ewig.
Amen
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