Genießen – keine Nebensache

Genießen – keine Nebensache

Genießen – keine Nebensache

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Genießen – keine Nebensache

Es ist Hochsommer, die Kinder haben Ferien und viele Familien sind im Urlaub. Es ist eine Zeit des Innehalten, Loslassen, Auftanken - und auch des Genießens. Dazu hat sich Marienpastor Robert Pfeifer einige Gedanken gemacht. Viel Freude beim Lesen!

Der August ist ein seltsamer Monat. Die Tomaten wissen längst, wozu sie gewachsen sind. Der Wein reift. Das Korn ist geerntet. Nur der Mensch hat das Gefühl, er müsse sich noch dringend optimieren.

Wir leben mit der merkwürdigen Vorstellung, das eigentliche Leben beginne später. Wenn das Projekt abgeschlossen ist. Wenn die Kinder groß sind. Wenn die Renovierung fertig ist. Wenn der Terminkalender endlich einmal leer wird. Das Dumme ist nur: Kaum ist eines geschafft, steht das nächste schon geschniegelt vor der Tür.

Der Prediger der Bibel kennt diesen Kreislauf erstaunlich gut. Und seine Antwort ist verblüffend schlicht: „Es gibt nichts Besseres, als dass der Mensch isst und trinkt und guten Mutes ist bei all seiner Mühe; denn das kommt von Gottes Hand.“ (Prediger 2,24).

Das ist keine Einladung zum Nichtstun. Es ist eine Einladung, das Leben nicht ständig auf später zu verschieben.

 Der Schriftsteller Jean Paul schrieb: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können.“ Wahrscheinlich deshalb erinnern wir uns selten an besonders produktive Tage. Wir erinnern uns an den Duft eines Sommerabends, an das Lachen guter Freunde, an Brot, das gemeinsam geteilt wurde.

Jesus hatte ein bemerkenswertes Talent, genau solche Augenblicke ernst zu nehmen. Er verwandelte Wasser in Wein – nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Freude. Er setzte sich an Tische, an denen andere lieber vorbeigegangen wären. Er machte aus einer Mahlzeit ein Zeichen dafür, dass Gott mitten unter den Menschen wohnt.

Genießen ist keine Belohnung für ein perfekt geführtes Leben. Es ist eine Form des Vertrauens. Wer genießen kann, gesteht sich ein: Ich muss nicht alles festhalten, nicht alles leisten, nicht alles im Griff haben. Das Leben ist zuerst Geschenk.

Und Geschenke packt man bekanntlich nicht irgendwann aus. Sondern jetzt.

Ihr Pastor Robert Pfeifer, St. Marien

 

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