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Eine Lübecker Abendmusik – Paul Gerhardt gewidmet

Eine Lübecker Abendmusik – Paul Gerhardt gewidmet

Eine Lübecker Abendmusik – Paul Gerhardt gewidmet

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Eine Lübecker Abendmusik – Paul Gerhardt gewidmet

Lübeck - Innenstadt: Johannes Unger, Dom- und Marienorganist, gab mit der Sopranistin Natalie Beck in St. Marien ein feines kleines Konzert zu Ehren des großen Dichters, dessen glaubensstarke und lebensbejahenden Texte Komponisten durch alle Jahrhunderte bis heute immer wieder zu Vertonungen angeregt haben.

"Seine Lieder sind Flügel, auf denen man sich in die Höhe erheben und eine Zeitlang über dem Jammertal schweben kann." So beschreibt Matthias Claudius (1740-1815) später die Texte von Paul Gerhardt (1607-1676). Am 6. Juni jährt sich der Todestag des wohl bekanntesten und vielleicht des bedeutendsten Textdichters deutschsprachiger Kirchenmusik zum 350. Mal. Paul Gerhardts Leben war geprägt von den Schrecken des 30-jährigen Kriegs und zahlreichen bitteren Schicksalsschlägen. Dennoch sind seine Texte durchweg tröstlich, erhebend, sind voller Zuversicht und Ermutigung. Natalie Beck ist seit dieser Spielzeit festes Ensemblemitglied im Opernstudio am Lübecker Theater. Sie sang alle Choräle mit ihrem hellen, glasklaren Sopran bewusst gerade, mit wenig Vibrato, doch ausgesprochen konzentriert, und traf damit genau das Wesen der besonderen Frömmigkeit, die auch den Texten Paul Gerhardts zu eigen ist. In Choralvorspielen und freien Bearbeitungen der bekannten Melodien reiste Johannes Unger durch sieben Jahrhunderte: Die älteste Melodie stammte von Martin Luther, die neueste Choralbearbeitung vom Organisten selbst, und auch eine freie Improvisation war dabei. Zugrunde lag das sicher bekannteste Lied mit dem Text von Paul Gerhardt „Geh aus, mein Herz und suche Freud“. Hier nutzte Johannes Unger alle Möglichkeiten der Totentanzorgel: Nach einem sehr leisen Beginn mit vielen orgelpunktartigen Liegetönen erklang die Melodie ruhig, beinahe kontemplativ. Ein hinzugefügter Tremulant sorgte für eine entrückte Atmosphäre, nach virtuos, fast burlesk perlenden Bewegungen entspann sich eine packende Steigerung in Dynamik und Tempo, auch der Schweller kam zum Einsatz – eine mitreißend-enthusiastische Feier der Natur, der unbändigen Lebenskraft. Natalie Beck löste dieses monumentale Bekenntnis mit ihrem strahlenden Sopran auf in eine feine und schlichte Wiedergabe dieses herrlichen Sommerliedes.

Christoph Arta ist der Leiter des Kirchenmusikbüros der Lübecker Innenstadtkirchen. Er gab als Moderator wissenswerte Erläuterungen zu den beruflichen Entwicklungen Paul Gerhardts, so erfuhr man von der intensiven Zusammenarbeit mit dem Kirchenliedkomponisten Johann Crüger (1598-1662), den man durchaus als „Entdecker“ Paul Gerhardts bezeichnen kann. Beide trafen mit ihren Texten und Melodien den Nerv der Zeit, denn geistliche Lieder wurden nicht nur in der Kirche gesungen, sondern standen auch in den privaten Lebensbereichen hoch im Kurs.

Svea Regine Feldhoff


Foto: Der Moderator Christoph Arta, die Sopranistin Natalie Beck und der Marienorganist Johannes Unger gestalteten das Konzert. Foto: SRF

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