Ein steinerner Engel bläst Seifenblasen: Was Ihr im Dom entdecken könnt

Ein steinerner Engel bläst Seifenblasen: Was Ihr im Dom entdecken könnt

Ein steinerner Engel bläst Seifenblasen: Was Ihr im Dom entdecken könnt

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Ein steinerner Engel bläst Seifenblasen: Was Ihr im Dom entdecken könnt

Der Lübecker Dom lädt ein

„Ein steinerner Engel bläst Seifenblasen“ - ist das Erste, was ich über den Lübecker Dom erfahre. Gibt es hier einen Engel, der Seifenblasen über den Bankreihen tanzen lässt? Neugierig betrete ich den Dom und werde ermuntert, auf meinem Handy eine Führung zu öffnen. Damit finde ich schnell den marmornen Seifenblasenengel auf einer Grabkapelle. Enttäuscht stelle ich fest, dass die Seifenblasen bloß aus Stein sind. Trotzdem gefällt er mir und die Erklärung, dass er ein Sinnbild dafür sei, „wie Menschen ganz im Hier und Jetzt und im Glück des Augenblickes aufgehen können.“

„Wie wahr und schön!“, denke ich noch, als ich beim Weiterlesen von einem „Einhornaltar von 1509“ erfahre. Gab es damals schon rosafarbene Einhörner vor bunten Regenbögen? Ich wäre jetzt in der richtigen Stimmung dafür. Tatsächlich finde ich einen kleinen Altar mit einem niedlichen Einhorn, das mit heutigen Einhornbildern gut mithalten kann, allerdings nicht in rosa und ohne Regenbogen. Es springt einer kindlichen Maria in die Hände, welche heutigen einhornbegeisterten Mädchen auch sehr ähnelt. Bei dem Marienaltar handelt es sich um die Ankündigung der Geburt Jesu in Gestalt einer Einhornjagd, denn der „Legende nach konnte nur eine Jungfrau das Einhorn fangen.“ Während ich mich über eine verpasste Chance und einem überzogenen Jungfräulichkeitskult ärgere, wandert mein Blick weiter zur astronomischen Uhr daneben.

Auf ihr hält eine riesige, leuchtende Sonne besorgt nach mir Ausschau, dabei wandern ihre Augen im Sekundentakt hin und her, hin und her. Ob sie meinen Ärger sieht und mich versteht?  Auf dem Zifferblatt sehe ich, dass hier die Stunde bei der 6 vollendet wird. Warum nicht? Kann im Leben alles nicht auch ganz anders sein? Plötzlich schlägt sie zur halben (oder vollen?) Stunde. Erschrocken sehe ich ein Skelett in der linken oberen Ecke seinen Kopf und zwei Stundengläser schütteln. „Mein Leben ist so schnell vorbei, Gevatter Tod?“  Erleichtert erfahre ich von einem neben mir stehenden Domführer, dass das Kopfschütteln bedeutet, meine Zeit auf Erden sei eben noch nicht abgelaufen und das Schütteln mit dem Stundenglas solle mich nur daran erinnern, diese gut zu nutzen, da sie vergänglich sei.

So ermutigt, fühle ich mich für das nächste Bild mit dem Titel „Die Klage Jesu Christi an die undankbare Welt“ bereit. Auf diesem klagt Jesus, dass er der Schönste sei „- aber man liebet mich nicht.“ Ich wusste gar nicht, dass er so eitel war. Außerdem beklagt er: „Ich bin das Licht – ihr sehet mich nicht. Ich bin der Weg –ihr gehet mich nicht. [..] Das Leben – man suchet mich nicht.“ Zehn Klagen insgesamt, das toppt sogar mich, wenn ich in Klagelaune bin. Ich wende mich dem Ausgang zu und werde von einem gigantischen Kreuz unter der Decke verabschiedet. Ein letzter Blick auf mein Handy klärt mich darüber auf, dass es ein Triumphkreuz ist. „Aus dem Holz, an dem Jesus hängt, sprießen Zweige. Das Holz des Fluches wird zum Baum des Lebens.“ Ich lächle, weil ich Bäume so liebe. In meiner Fantasie sehe ich, wie aus einem Kreuz in Zeitraffer eine alte Eiche wird, mit Eichhörnchen und Eichelhäher. In ihren Zweigen hängt eine Schaukel mit einem lachenden Kind, das ich als mein inneres Kind erkenne.

Dankbar verlasse ich den Lübecker Dom, der mich zu so viel Lebensfreude eingeladen hat. Hier habe ich mal wieder Jesus in vielen schönen Aspekten des Lebens gefunden.

Ann Kathrin Horstmann

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