Der Tod ist mitten im Leben

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Der Tod ist mitten im Leben

Reichtum, Schönheit oder gesellschaftliches Ansehen – nichts davon bleibt für immer. „Wir werden wieder zu Kohle“, bringt es die Künstlerin Michaela Berning-Tournier auf den Punkt. Als sie 2006 nach Lübeck zog und die St.-Marien-Kirche erstmals betrat, habe sie das Thema Tod sofort berührt. Nun zeigt sie dort ihre Ausstellung „Der kleine Lübecker Totentanz“ mit zwanzig kleinformatigen Arbeiten in Kohle und Pastell.

In den szenischen Bildern begegnen Gerippe ganz selbstverständlich Menschen unterschiedlichster Herkunft und Lebenssituationen – Menschen, die selbst bereits vom Tod gezeichnet sind. Die Werke greifen das Motiv des Totentanzes auf und laden dazu ein, sich mit der eigenen Vergänglichkeit auseinanderzusetzen. „Der Tod ist mitten im Leben“, sagt Michaela Berning-Tournier. „Er begleitet uns. Gerade deshalb dürfen wir das Leben genießen und Freude empfinden.“ Mit ihren Bildern möchte sie den Blick auf die Allgegenwärtigkeit des Todes lenken – nicht als Bedrohung, sondern als Teil des Lebens. So entfaltet sich vor den Augen der Betrachterinnen und Betrachter eine ebenso groteske wie nachdenkliche Bildwelt, der sich niemand entziehen kann.

Eine Tradition, die bis ins Mittelalter reicht

Der Ausstellungsort ist bewusst gewählt. St. Marien war einst berühmt für den mittelalterlichen Totentanz des Lübecker Künstlers Bernt Notke. Das monumentale Wandgemälde entstand 1463 in der Totentanzkapelle und zeigte den Tod, der Menschen aller gesellschaftlichen Stände zum Tanz aufforderte. Seine Botschaft ist bis heute aktuell: Vor dem Tod sind alle Menschen gleich. Das Kunstwerk wurde in der Bombennacht auf Palmarum am 29. März 1942 zerstört. Heute erinnern die monumentalen Glasfenster des Künstlers Alfred Mahlau in der Totentanzkapelle an das berühmte Notke-Meisterwerk des Mittelalters. Sie greifen dessen Bildsprache auf und übertragen sie in eine moderne Formensprache, die zugleich an Krieg und Zerstörung erinnert.

Humorvoll, hintergründig und zutiefst menschlich

Zur Eröffnung der Ausstellung führte Pastor Robert Pfeifer in das Thema ein: „Der Tod kennt weder Rang noch Ansehen. Er vereint uns in unserer Endlichkeit.“ Die Werke Berning-Tourniers fänden dafür eine ganz eigene Bildsprache – humorvoll, hintergründig und zugleich tiefgründig. „Tod und Leben gehören zusammen. Dieses Thema wird im Alltag oft verdrängt, dabei ist es zutiefst menschlich.“

Musikalisch begleitet wurde die Ausstellungseröffnung vom Moskauer Konzertorganisten Vladimir Skomorokov und dem Künstler Stefan Schlippe. Die Ausstellung ist bis zum 26. Juli 2026 täglich während der Öffnungszeiten der St.-Marien-Kirche zu sehen. Die ausgestellten Werke können auch erworben werden.

Bildunterschrift:
Michaela Berning-Tournier und Pastor Robert Pfeifer vor der Totentanzkapelle in St. Marien mit ausgewählten Werken der Künstlerin.

 

 

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