10/07/2026 0 Kommentare
Bedeutendes Kunstwerk erhält neue Strahlkraft
Bedeutendes Kunstwerk erhält neue Strahlkraft
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Bedeutendes Kunstwerk erhält neue Strahlkraft
Einst bekrönte die Figurengruppe „Christus und die Kinder“ den reich verzierten hölzernen Taufdeckel der Bronze-Fünte von Lorenz Grove aus dem Jahr 1455 im Lübecker Dom. Sie ist das einzige erhaltene Fragment des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Taufdeckels aus dem 17. Jahrhundert und wurde zuletzt in den 1980er-Jahren restauratorisch bearbeitet. Im Laufe der Zeit verschmutzte die Figur jedoch stark und wies erhebliche Schäden auf.

Die Skulptur bekrönte einst den hölzernen Taufdeckel im Dom zu Lübeck, der in der Palmarum-Nacht 1942 den Flammen zum Opfer fiel.
„In einem ersten Arbeitsschritt haben wir die Christusgruppe schonend gereinigt, von Schimmelpilz befreit und die lockeren Farbschichten gefestigt“, berichtet Britta Butt von Butt Restaurierungen. Den konservatorischen Maßnahmen folgt nun die Restaurierung. Dafür wurde die „Statuette“, wie sie fachlich korrekt bezeichnet wird, umfassend untersucht.
Historische Fotografien des Taufdeckels
„Durch eine Archivrecherche fanden wir historische Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die den intakten Taufdeckel zeigen“, berichtet Britta Butt. Über der Skulptur schwebte ursprünglich eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes – in Anlehnung an die biblische Erzählung von der Taufe Jesu und den Satz aus dem Markusevangelium: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht.“

Ein Kunstwerk, das den Krieg überdauerte
Der Taufdeckel wurde beim Luftangriff auf Lübeck in der Nacht zum 29. März 1942 zerstört, als der Dom schwer beschädigt wurde und zahlreiche Kunstschätze den Flammen zum Opfer fielen. Die Christusgruppe ist das einzige erhaltene Fragment dieses bedeutenden Kunstwerks. Gemeinsam mit der bronzenen Taufe hat sie heute ihren Platz im Taufrund zwischen Lettner und Ostchor. Die historischen Aufnahmen der Figurengruppe zeigen die beiden seit dem Luftangriff fehlenden Arme der Kinder. „Leider sind die Fotografien nicht ausreichend, so dass wir die beiden Arme nicht originalgetreu rekonstruieren könnten“, bedauert die Kunsthistorikerin. „Die Recherchen laufen aber im Hintergrund weiter.“
Schritt für Schritt zurück zur ursprünglichen Wirkung
Nach der Konservierung folgt nun die aufwendige Restaurierung. „Die Farbschichten werden im Bereich von Fehlstellen behutsam ergänzt“, erklärt Britta Butt. Die heute sichtbare Farbfassung soll trotz ihrer altersbedingten Schäden erhalten bleiben. Restauratorische Untersuchungen haben gezeigt, dass die ursprüngliche Farbfassung nur noch in geringen Resten vorhanden und stark geschädigt ist. Auch erste Freilegungsversuche erwiesen sich als problematisch.
„Die heutige Farbfassung dokumentiert den Zustand des historischen Taufdeckels unmittelbar vor seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und besitzt damit einen eigenen historischen Wert.“
In den nächsten Arbeitsschritten werden Spuren früherer, unvollendeter Restaurierungen behutsam überarbeitet und störende Ergänzungen korrigiert. Fehlstellen werden nur dort ergänzt, wo sie das Gesamtbild erheblich beeinträchtigen. Sämtliche verwendeten Materialien sind reversibel und entsprechen den heutigen restauratorischen Standards. Nach Abschluss der Arbeiten wird die Figurengruppe an ihrem bisherigen Standort im Lübecker Dom wieder präsentiert und fachgerecht gesichert.
Auf Augenhöhe mit den Kindern
Für Dompastorin Margrit Wegner besitzt die Skulptur eine besondere Symbolkraft: „Die Figur zeigt Christus nicht erhöht oder entrückt, sondern auf Augenhöhe mit den Kindern. Sie suchen seine Nähe, werden von ihm angenommen und gesegnet. Damit wird sichtbar, worum es bei der Taufe geht: Jeder Mensch ist von Gott angenommen und geliebt – unabhängig von Alter, Herkunft oder Leistung.“

Die heutige Taufe im Lübecker Dom.
Der historische Taufdeckel
Der mehrgeschossige Taufdeckel aus dem 17. Jahrhundert war kunstvoll gestaltet. Über einer unteren Kuppel erhob sich eine von Säulen getragene Laterne mit einer zweiten Kuppel, auf deren Spitze die Christusfigur stand. Der Deckel hing an einer Kugelstange, an der eine Taube als Symbol des Heiligen Geistes schwebte. Zahlreiche Figuren, Putten, Kapitelle und weitere Schmuckelemente verliehen ihm seine außergewöhnliche Pracht.
Bis zur Bombennacht auf Palmarum 1942 befand sich die bronzene Taufe mit dem hölzernen Taufdeckel im Westen des Doms vor der Orgel, nahe des Haupteingangs. Das entsprach der mittelalterlichen Tradition: Wer den Dom betrat, wurde an die eigene Taufe erinnert – sie galt als Eingang in die christliche Gemeinschaft.
Das Taufrund heute
Nach der Zerstörung des Doms wurde der Innenraum beim Wiederaufbau grundlegend neugestaltet. Der Architekt Friedhelm Grundmann entwarf in den 1960er-Jahren das heutige Taufrund als eigenständigen Taufbereich und rückte die Taufe damit bewusst in die Mitte des Gemeindelebens.
Im Mittelpunkt steht bis heute die bronzene Taufe. Sie zählt zu den bedeutendsten mittelalterlichen Taufbecken Norddeutschlands und überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet. Eine weitere Besonderheit des Taufrunds ist die italienische Barockorgel, die Taufgottesdienste und kleinere Konzerte musikalisch begleitet.
Titelfoto: Kunsthistorikerin Britta Butt erklärt die Bedeutung der Skulptur „Christus und die Kinder“ und ihre Konservierung sowie anstehende Restaurierung.
Text und Fotos: Steffi Niemann
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