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Wenn Glocken zur Leidenschaft werden

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Wenn Glocken zur Leidenschaft werden

# KGV & M | Aktuelles für Innenstadtverband und Marien

Wenn Glocken zur Leidenschaft werden

Schon als kleiner Junge blieb er gebannt vor der St.-Marien-Kirche stehen. Wenn die Glocken zu läuten begannen, lauschte Mika Pagels ihnen ehrfürchtig. Heute kennt der 20-Jährige alle 49 Glocken in den Türmen der Kirche in- und auswendig. Der Student der Wirtschaftsinformatik engagiert sich ehrenamtlich in der St.-Marien-Gemeinde, ist Teil der deutschlandweiten Glockenszene und veröffentlicht Videos auf seinem YouTube-Kanal „Pulsglocke“ – seiner Lieblingsglocke.

Begeisterung im Video festhalten

„Bisher sind es rund vierzig Videos“, berichtet Pagels. „Vor etwa drei Jahren habe ich jemanden kennengelernt, der Glockengeläute filmt und online stellt. Also bin ich selbst mit Kamera und Mikrofon losgezogen und habe unter anderem das Geläut von St. Marien aufgenommen.“ Dem großgewachsenen jungen Mann ist die Begeisterung deutlich anzumerken. Diese fiel auch Marienpastor Robert Pfeifer auf, der ihn mit Helmut Brauer, einem weiteren Glockeninteressierten an St. Marien, bekannt machte. Gemeinsam überlegen sie, wie die Glocken der Marienkirche am besten gemeinsam erklingen können. 

Historische Klänge und neue Glocken

Insgesamt verfügt die St.-Marien-Kirche über zwölf Läuteglocken sowie 37 Glocken im Glockenspiel (hier geht es zum Simulator dieses Carillons). „Meine Lieblingsglocke ist die Pulsglocke mit ihren 5,8 Tonnen“, sagt Pagels. „Sie war die erste Großglocke Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg und ist bis heute die größte Glocke Schleswig-Holsteins.“ Im Jahr 2023 wurden zudem drei neue Glocken feierlich in das Hauptgeläut aufgenommen. Pagels war beim Guss persönlich vor Ort in der Glocken- und Kunstgießerei Rincker in Sinn dabei. „Das war eine tolle Erfahrung“, erinnert er sich.

Moderne Technik im alten Gemäuer

Auch moderne Technik hat inzwischen Einzug in die traditionsreiche Kirche gehalten. „Die Glocken werden heute nicht mehr per Seilzug geläutet, sondern von einem Elektromotor.“, erklärt der angehende Wirtschaftsinformatiker. Dafür seien sie mit einem speziellen Computer verbunden. Der Küster könne das Geläut nun bequem von überall aus per Knopfdruck steuern.

Digitaler Nischentrend

In der Glockenszene gebe es sogar noch eine weitere Möglichkeit: das Simulieren echter, oder erfundener Geläute vom heimischen Computer aus. „Das ist derzeit ein Trend“, sagt Pagels schmunzelnd. Er hat eine solche Simulation auch für das Mariengeläut erstellt. Diese bietet die Kirchengemeinde auf ihrer Website an, die Interessierte ausprobieren können: st-marien-luebeck.de/glockensimulator

Die Schätze der Kirche bewahren

Warum engagiert sich ein junger Mann ehrenamtlich in einer Kirchengemeinde? „Ausgangspunkt war mein Glaube und natürlich mein Glockenhobby, aber auch mein Interesse am Kirchenbau selbst.” , erzählt Pagels. „Es ist einfach schön, die Schätze dieser Kirche zu würdigen und zu pflegen. Ich darf Dinge erleben, sehen und bestaunen, die nicht alltäglich sind.“ Dieses Wissen gibt er auch auf speziellen Führungen zum Geläut (z.B. auch zum Vollgeläut an Ostern und Weihnachten) gerne weiter.

Wer sich für ein Ehrenamt in einer der Innenstadtkirchengemeinden interessiert, kann sich unter der Email-Adresse zentralbuero@innenstadtkirchen-luebeck.de melden.

Text: Steffi Niemann

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