Was soll ich anziehen? - Ansprache im Tauf- und Tauferinnerungsgottesdienst am 7. Juni von Pastor Martin Klatt

Was soll ich anziehen? - Ansprache im Tauf- und Tauferinnerungsgottesdienst am 7. Juni von Pastor Martin Klatt

Was soll ich anziehen? - Ansprache im Tauf- und Tauferinnerungsgottesdienst am 7. Juni von Pastor Martin Klatt

# D | Predigten

Was soll ich anziehen? - Ansprache im Tauf- und Tauferinnerungsgottesdienst am 7. Juni von Pastor Martin Klatt

Liebe Gemeinde! Liebe T.!

»Was soll ich bloß anziehen?« Die Frage vor dem Kleiderschrank. Alltagsklamotten oder lieber was Schickeres? Wonach ist mir gerade? Was passt zu meiner Stimmung? Oder: Was passt zum Anlass? Es macht ja einen Unterschied, ob ich zur Schule oder zur Arbeit gehe, zum ersten Konfi-Treffen oder zu einem Fest. »Was soll ich denn bloß anziehen?« Ob sich das auch manche gefragt haben, bevor sie heute hierher in den Dom gegangen sind?

„Kleider machen Leute“ sagt ein Sprichwort. Was wir anziehen, erzählt etwas über uns – unseren Style, Lieblingsfarben, wie wir uns fühlen, wie uns die anderen sehen sollen. Und es macht auch etwas mit uns. In manche Kleider – sagen wir – müssen wir erst hineinwachsen, bis sie uns passen.  

»Was soll ich anziehen?« Habe ich mich heute auch gefragt und mich für ein anderes Gewand entschieden: meinen weißen Talar. Die Albe erinnert an das Taufgewand – und das ist in der kirchlichen Tradition ein einfaches weißes Kleid.

Weiß – Farbe des Lichts. Weiß ist die Summe aller Farben. Da ist alles enthalten. Weiß – ohne Flecken, ohne Schmutz; ganz klar und rein. So stehen wir da, wenn wir getauft sind – als kleines Kind, als großes Kind, als Konfirmand:in, als Erwachsene. Das steht am Anfang – und das steht uns gut.

So fängt auch der Apostel an, wenn er die Christen nennt: die Auserwählten Gottes, die Heiligen und Geliebten. (Kol 3, 12) So werden wir alle angesprochen – mit Worten, die uns vielleicht viel zu groß vorkommen, wenn wir auf uns und unser Leben schauen. Auserwählt, heilig, geliebt. Bin ich das? Passt das zu mir und meinem Leben – ich kenn mich doch?

Auserwählt, heilig, geliebt. Größere Worte als diese kann man sich gar nicht vorstellen. Aber kleiner soll niemand von sich denken. Das bist Du – T., jeder und jede hier unter uns. Gott sagt es in der Taufe. Das musst Du Dir nicht verdienen. Das kann Dir niemand nehmen. Tauferinnerung, damit wir es nicht vergessen: Du bist das alles – für Gott: sein Ein und Alles, sein ganzes Glück. Wenn du längst noch nicht alles von Gott verstanden hast – und wer hätte das denn? – so hast Du doch das ganze Evangelium verstanden. Du bist auserwählt aus den unendlichen Möglichkeiten Gottes. Gott wollte, dass Du Du bist und keine andere. Heilig bist du – also: Du gehörst zu Gott. Geliebt bist du – mehr als du ahnst.

Das weiße Taufgewand erzählt: Darin sind wir alle gleich.  

Und die christliche Alltagskleidung – wie sieht die aus? Die ist ganz sicher keine Uniform, sondern vielfältig und bunt – so wunderbar verschieden, wie wir verschieden sind.

'Verschieden' heißt aber nicht 'beliebig'. Darum gibt es diese 'apostolische Typberatung' für Menschen, die als Christen leben wollen und sich fragen, was sie denn da bloß anziehen sollen.

Das könnt ihr tragen. Das steht euch. Darin seht ihr gut aus: Zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander. (Kol 3, 12-13)

Das ist ganz sicher keine Billigklamotte; das ist richtig edel. Ich glaube, dass wir in diese Kleider erst hineinwachsen – unser Leben lang – und irgendwie auch immer wieder neu. Barmherzig und freundlich sein – mit anderen und mit uns selbst. Groß von uns selber denken – und dabei nicht größenwahnsinnig werden, sondern bescheiden bleiben. Sanftmütig – also sanft und mutig; mit entschlossener Zartheit leben. Einander aushalten und uns gegenseitig gelten lassen. Vergeben – nicht nachtragend werden, sondern immer wieder neues Anfangen wagen, ein neues Miteinander. Geduldig sein – oder vielleicht besser: Geduld üben – mit mir selbst, und anderen auch Zeit lassen. Nichts erzwingen wollen.

Das ist nicht einfach leicht.

Aber ich bin sicher: Die schönsten Momente in der Konfi-Zeit werden die sein, wo uns das miteinander gelingt.  

Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. (Kol 3, 14) Das ist Dein Taufspruch, T. Erinnerung daran, dass die Liebe das Allerwichtigste ist. Weil die Liebe der Anfang von allem ist. Taufe – von Anfang an: auserwählt, heilig, geliebt. Weil die Liebe wie ein Mantel ist, in den wir uns hüllen können - auch dann, wenn wir uns selber ganz unansehnlich finden.

„Liebe ist das Band, das alles zusammenhält.“ Das hast Du, T., gleich behalten.

Sie hält Gott und uns zusammen. Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm, sagt ein anderer Apostel. (1. Joh 4, 16)

Sie hält Eltern und Kinder und Kinder und Eltern und Geschwister und Familien und Patchwork-Familien zusammen. Eine Konfi-Gruppe und eine Gemeinde auch. Und eine Gesellschaft auch.

Wenn wir also mal wieder vor dem Kleiderschrank stehen und uns fragen: »Was soll ich bloß anziehen?« uns erinnern: Was du willst. Hauptsache: Über alles aber zieht an die Liebe. Das passt. Das kann man immer tragen. Darin werden wir uns wohlfühlen – nicht nur in unserer Kleidung, sondern sogar in unserer Haut. Und wir werden unverschämt gut aussehen.   

AMEN.

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