Geht doch! Von der Brotvermehrung und der Mutvermehrung. Predigt zum Erntedankfest

Geht doch! Von der Brotvermehrung und der Mutvermehrung. Predigt zum Erntedankfest

Geht doch! Von der Brotvermehrung und der Mutvermehrung. Predigt zum Erntedankfest

# D | Predigten

Geht doch! Von der Brotvermehrung und der Mutvermehrung. Predigt zum Erntedankfest

Predigt über Markusevangelium Kap. 8, Verse 1-9 am Erntedankfest 4. Oktober 2026

Gott gebe uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für unser Herz. Amen

Margrit Wegner: Aber das geht doch nicht, sagen die Konfis. Und sie haben ja Recht, liebe Gemeinde. Das funktioniert einfach nicht. Sieben Brote für 4000 Menschen. Eine ist schlau und sagt: Da steht ja nicht, wie viele Fische sie hatten und wie groß die Brote waren. Aber die anderen widersprechen: Sogar wenn Jesus riesige Brote und einen ganzen Sack voll Fische hat, reicht das nicht für ein paar tausend Leute, die drei Tage gar nichts gegessen haben. Sie hören nämlich sehr genau hin, diese Jugendlichen. Sie haben gleich gespürt, dass dieser Hunger sich auch mit einem ganzen Brot pro Person nicht hätte stillen lassen. Überhaupt: Wieso wartet Jesus so lange, bevor er dann endlich handelt? Jesus sagte zu ihnen: »Ich habe großes Mitleid mit den Menschen. Sie sind nun schon drei Tage bei mir und haben nichts zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen – denn einige sind von weit her gekommen.«

Silke Luhmann: Aber das geht doch nicht, sagen die Kolleginnen in der Schule, in der ich arbeite. Wir müssen überall Löcher stopfen. Wir bräuchten viel mehr Menschen. Wir möchten uns für die Kinder und ihre Familien einsetzen, den Kindern und Jugendlichen zuhören und sie in ihrer Entwicklung fördern. Stattdessen kümmern wir uns um das nicht funktionierende W-Lan, die kaputten Toiletten und müssen dauernd den Mangel verwalten. Alle haben Ansprüche, alle brauchen dringend Unterstützung, aber die Kräfte reichen oft einfach nicht. Irgendwer hätte viel früher handeln müssen, und nun fehlt es an allen Ecken und Enden. Die Jünger sagten: »Wo soll in dieser einsamen Gegend das Brot herkommen, um diese Leute satt zu machen?« Und er fragte sie: »Wie viele Brote habt ihr?«

Gesine Schmeding: Aber das geht doch nicht, sagt der Mann, der jetzt auch noch seine demenzkranke Mutter betreut. Er hat Recht. Das ist zu viel. Bei der Arbeit soll er Leistung bringen, die Schule erwartet, dass er seine Kinder zu Hause bei ihren Aufgaben begleitet. Neben Job und Familie nun die altwerdenden Eltern, und der Tag hat nur 24 Stunden. Seine Fußballfreunde vertröstet er immer wieder. Er ist viel zu erschöpft, um mitzutrainieren. Er hätte gern mal wieder einen Abend nur mit seinem Partner. Die Überforderung ist schwer zu ertragen. Wie soll er allen gerecht werden?  

Silke Luhmann: Wir kennen sie gut, die Erzählungen vom Mangel. Von dem, was nicht geht. Von dem, was fehlt. Zeit für die Familie und bezahlbare Wohnungen und Vertrauen in die Demokratie. Stabilität. Frieden für die Welt sowieso.

Gesine Schmeding: Aber das geht doch nicht. Aber wir können doch nicht immer nur die Überlastung beklagen. Denn das ist das Wunder dieser Geschichte, sagen die Konfis. Das Verrückte ist, dass Jesus genauso das Unmögliche sieht: Sieben Brote für 4000 Menschen. Aber Jesus teilt aus. Lässt sich überhaupt nicht entmutigen. Jammert nicht rum, zuckt nicht bloß mit den Schultern. Jesus nahm die sieben Brote. Er dankte Gott, brach sie in Stücke und gab sie seinen Jüngern zum Verteilen.  

Margrit Wegner: Jesus wird aktiv. Jesus dankt. Jesus teilt das, was da ist. Vertrauen und Mut. Brot des Lebens und Hoffnung auf ein Morgen. Trotzkraft und Lebensfreude. Genau das möchten wir auch. Vor zwei Jahren haben wir im Erntedankgottesdienst gefragt, was Menschen pflanzen und vermehren wollten. Manche von Ihnen und Euch waren dabei. Haben das aufgeschrieben. Diese kleinen Zettel habe ich aufgehoben. Die halten Sie in ihren Händen. Worte der Konfis sind dazugekommen.  

Statt einander Geschichten zu erzählen vom Mangel, ist gleich Raum, einander zu berichten von Mut, der wächst. Von dem, was gelingt in dieser Gemeinde. In diesem Land. In Deiner Schule oder in Ihrer Familie. Von den kleinen Erlebnissen, die das große Ganze ausmachen. Nehmt euer Herz in die Hand. Schauen Sie, was da steht. Seht einmal hin, was euch blüht in eurer Hand. Dann schaut, wer neben euch sitzt – und was da ist zum Teilen. Vor Euch und hinter Ihnen. Teilt das. Erzählt von dem, was da ist. Wo ihr das erlebt. Wie das Mut machen kann, wenn Menschen das zu teilen beginnen. Trauen Sie sich. Jetzt!

Zeit zum Erzählen

Ulrike Gast: Ich leite die Stadtkantorei. Mir macht es Mut, dass sich dort Menschen über Gemeindegrenzen hinweg engagieren und Menschen in dieser Stadt mit Musik Brücken bauen.

Jugendliche vom Jungen Dom: Mir gibt in dieser Zeit eine bestimmte Sache Mut: Kerzen anzuzünden. Ein kleines Licht zum Leuchten zu bringen. Egal, wo man ist – an den meisten Orten kann man eine Kerze anzünden und dazu ein Gebet sprechen oder Gott erzählen, wofür man dankbar ist. So, wie wir Jugendlichen es immer am Anfang oder am Ende eines Konfitreffens und beim Jungen Dom machen. Vielleicht macht Ihr es mit Euren allerliebsten Menschen an einem Ort wo ihr euch wohl fühlt und macht euer Licht zu dem, was euch auf dem Herzen liegt.

Lars Sewing: Ich bin Lehrer und war gerade mit 5. Klassen auf Klassenreise. Da staune ich über das große Vertrauen. Das macht Mut!

Margrit Wegner: An diesem Sonntag ist wieder eine große Gemeinde mit Jesus zusammengekommen. Da die Menschen viel Vertrauen verloren haben, ruft Jesus die Freund:innen zu sich. Er sagt zu ihnen: »Ich habe großes Mitleid mit den Menschen. Sie sind nun schon so lange mit mir auf dem Weg und haben oft nichts zu hoffen. Wenn ich sie mutlos nach Hause schicke, werden sie unterwegs in ihrem Alltag zusammenbrechen – denn einige sind von vielem belastet.«

Seine Freund:innen antworten: »Wo soll in dieser wüsten Lage der Mut herkommen, um diese Leute stark und fröhlich zu machen?« Und er fragt sie: »Wie viel Hoffnung habt ihr für die Welt?« Sie antworteten: »Eine Hand voll.«

Jesus fordert die Menschen auf, sich zusammenzusetzen. Dann nimmt er die Hand voll Mut und das Brot. Er dankt Gott, bricht das Brot und gibt die Hoffnungssehnsucht den Seinen zum Verteilen. Und sie teilen das Brot und die Trotzkraft mit allen Menschen. Sie haben auch noch einige kleine Mutgeschichten. Jesus dankt Gott dafür und lässt sie ebenfalls weitersagen. Die Menschen essen und hören und werden satt. Dann sammeln sie die Reste und füllen damit ganze Rucksäcke für ihren Weg. Und es sind viele, die Jesus heimschickt. Hinaus in seine Welt. 

Geht doch.

Amen

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