0451/30 80 10

Plattdüütsch Predigt to de Kringelhög

Plattdüütsch Predigt to de Kringelhög

Plattdüütsch Predigt to de Kringelhög

# KGV & D | Aktuelles für Innenstadtverband und Dom

Plattdüütsch Predigt to de Kringelhög

Im Dom fand im Januar der traditionelle plattdeutsche Gottesdienst zur Kringelhöge statt. Hier kannst du die Predigt von Pastor Robert Pfeifer nachlesen:

„Kiekt her, ik maak allens nieg!“ (Offenbarung 21,5)

Leve Lüüd, leve Stecknitz-Fohrer, leve Gemeen in unsen schöhnen Dom to Lübeck!

Wat för’n Freud, dat wi hier wedder tosamen sünd – bi Gott, bi de Orgel, bi dat Woort un ok bi uns Platt. Dat Platt, dat nich ut’n Museum kümmt, man ut de Knoopsgaten vun de Jack, ut de Kehlen vun de Lüüd, de över Water un Land tohus wesen sünd. Stecknitz-Fohrer eben!

Wat för’n Freud, dat wi hier tosamen sünd, in dissen stolten Dom, mit Gott över uns, mit Geschichte achter uns un mit Platt in de Schnuut. Dat is nich selbstverständlich. Dat is Lübeck.

De Jahreslosung för 2026 seggt:

„Kiekt her, ik maak allens nieg!“

Nich: „Ik probeer dat mal.“

Nich: „Ik kiek mal, wat geiht.“

Nee – ik maak allens nieg.

Dat is’n Satz, so kräftig as’n guten Ruderstaken. Un ik glööv, keen hett dat beter verstahn as de Stecknitz-Fohrer.

Denn wenn een Stecknitz-Fohrer hört: „Ik maak allens nieg“, denn denkt he nich an’n Wellness-Urlaub.

Denn denkt he:

„Jo, dat warrt Arbeit.“

De Kahn leckt, de Taue sünd ool, de Knie sünd steif – un de Wind kümmt natürlich jümmers von vörn. Dat hett Gott so inricht’t, glööv ik.

Un denn seggt Gott: „Kiekt her!“

Dat is wichtig. Gott seggt nich: „Kiekt weg, dat warrt schon.“

Nee, he seggt: „Kiekt genau hen.“

Kieken is för Stecknitz-Fohrer överlebenswichtig.

Wenn du nich kiekst, denn sittst du fast.

Wenn du nich kiekst, denn steckst du in’n Schilf.

Un wenn du gor nich kiekst, denn liggst du bi’n Nabarn in’n Kahn – un dat gifft Gerede…

Gott seggt: „Kiekt her, ik maak allens nieg!“

Dat is keen billige Tröst. Dat is Verheißung.

Nu seggt manch een:

„Nieg? Wat is denn mit dat Ool? Mit dat Salz, mit de Mühe, mit den Schweiß vun de Lüüd, de dat allens maakt hebbt?“

Un ik glööv, Gott seggt:

„Dat Ool is nich futsch. Dat kriggt’n niegen Sinn.“

So as bi’n Kahn:

Du schmitts nich allens över Bord.

Du flickst dat, wat leckt.

Du wechselst dat Tau, dat nich mehr hollen will.

Un denn geiht dat wedder – langsam, man seker.

Un dat is ok mit uns Leven so.

Mit de Kark.

Mit de Welt.

Wi kunn dat Niegmaken bruken, dat mööt wi ehrlich seggen.

Man Veränderung is för uns Holsteiner so’n Saken. Wi seggt denn:

„Jo… kann man so maken, man mutt man nich.“

Man Gott seggt nich: „Kann man so maken.“

He seggt: „Ik maak dat.“

Dat is sien Arbeit. Nich uns.

Wi mööt nich de Welt retten.

Wi mööt uns bloots in’n Kahn setten un mitfohren.

Ok wenn dat Water mal hoch steiht un de Schleus nich glieks opmaakt.

Un dor passt wat ganz Wichtiges to uns hüt:

Wi vergeet se nich.

Wi plegen disse Tradition, dat wi an de Stecknitz-Fohrer denken deit.

Nich bloots, wiel se fröher Salz fohrt hebbt,

man wiel se Lübeck maakt hebbt to dat, wat dat is:

’n Stadt vun Handel, Tähigkeit, Sturheit – un Humor.

Dat passt to Lübeck as Marzipan to de Torte.

Wi sünd keen Stadt, de sik schämt för ehr Geschichte.

Wi vertellen se – in de Chroniken, in de Straßen, un eben ok hier in’n Dom, op Platt.

Dat wi hier op Platt Gottesdienst feern, dat is keen Folklore.

Dat is Erinnerung mit Hart.

Dat seggt: „Wi weet, wo wi herkaamt. Un wi weet, wor wi henwüllt.“

Un hüt is dat ok klor: Wi sünd nich alleen ünnerwegs.

Denn hüt singt för uns de Passatchor.

Un wenn Lüüd singen, de ehr Naam al na’n Wind hebben, denn weet wi:

Dat geiht nich gegen den Storm –

dat geiht mit den Wind.

De Passat brengt Kähne över de Weltmeere,

un de Passatchor bringt uns Stimmen dörch den Dom.

Mal sacht as glattes Water,

mal kräftig as’n ordentlichen Gegenwind.

So kommt wi voran!

Un ik segg jo: Wenn Gott seggt

„Kiekt her, ik maak allens nieg!“,

denn maakt he dat ok mit Musik.

Denn dat, wat wi nich mehr seggen köönt,

dat singt uns de Chor vör.

Also: Ohren op, Hart wiet maken,

un laat uns tragen – vun de Stimmen, vun de Geschichte

un vun Gott, de ok hüt mit uns in’n Kahn sitt.

Un Gott seggt: „Kiekt her!“

Un denn maakt he ut’n oolen Seebär noch’n Hoffnungsdräger.

Ut’n schweren Dag noch’n lichten Avend.

Ut’n stillen Gebet noch’n fröhlichen Schnack.

Un Humor – jo, den hett Gott ok. Seker!

Denn wenn he seggt: „Ik maak allens nieg“, denn meent he ok:

„Ok di.

Ok di mit dien sturen Kopp.

Ok di, de du jümmers seggst: Dat weer fröher beter.“

Leve Lüüd, laat uns kieken. Laat uns lachen. Laat uns vertruuen.

Denn Gott maakt nich bloots dat Water nieg – he maakt den Weg.

Un dor, wo he seggt: „Kiekt her, ik maak allens nieg!“,

dor fangt dat Leben erst richtig an.

Un nu: ruhig fohrn – de nächste Schleus geiht ok noch op.

Amen.

Dies könnte Sie auch interessieren