22/01/2026 0 Kommentare
Pilgertreffen an St. Jakobi
Pilgertreffen an St. Jakobi
# KGV & J | Aktuelles für Innenstadtverband und Jakobi

Pilgertreffen an St. Jakobi
Die Lübecker St.-Jakobi-Kirche ist seit Jahrhunderten als Pilgerkirche bekannt. Nun gibt es ein neues Angebot für alle, die sich für das Pilgern interessieren oder bereits eigene Erfahrungen mitbringen: Ab Donnerstag, 29. Januar 2026, finden monatliche Pilgertreffen statt. Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr. Zum Auftakt gibt es eine Lesung und ein Gespräch mit der Autorin Heike Brümmer, die aus ihrem Buch „Grenzen überschreiten“ liest und praktische Tipps für das Pilgern gibt.
Weitere Treffen folgen an den letzten Donnerstagen im Februar, März und April. Ab Mai startet wieder der „Kleine Jakob“, eine regelmäßige Pilgerstrecke rund um die Lübecker Innenstadt an jedem ersten Sonnabend im Monat.
Ein Ort der Begegnung
„Wie in vielen anderen Städten gibt es nun auch bei uns einen Pilgertreff“, sagt Jakobipastorin Bärbel Reichelt. Die Idee dazu hatten Sabine Rietman und Peter Lubb von der Pilger-Arbeitsgemeinschaft an St. Jakobi, die es seit rund 15 Jahren gibt. Ziel sei es gewesen, insbesondere in den Wintermonaten ein Angebot für Pilger-Begeisterte und alle Interessierten zu schaffen. „Viele Menschen machen sich auf den Weg, und die Treffen sind eine gute Möglichkeit, sich auszutauschen und zu vernetzen“, so Reichelt.
Historische Wege und unterschiedliche Motive
Sabine Rietman, die auch als Stadtführerin tätig ist, verweist auf die besondere Lage Lübecks: Drei Jakobswege kreuzen hier die Stadt – die Via Baltica, Via Scandinavica und Via Jutlandica. Das Pilgern habe sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. „Im 12. Jahrhundert konnte Pilgern auch eine Strafe sein“, erläutert Rietman. Wer sich etwas hatte zuschulden kommen lassen, wurde mitunter auf den Pilgerweg geschickt, um zur Besinnung zu kommen. Daneben gab es Menschen, die aus eigenem Antrieb aufbrachen, um ihrem bisherigen Leben zu entfliehen. Auch wohlhabende Pilger nutzten teils Stellvertreter, um sich die erhofften geistlichen Vorteile zu sichern.
Pilgern heute – Entschleunigung und Selbstbegegnung
Heute ist das Pilgern vor allem spirituell geprägt und wird von vielen als Gegenpol zum oft stressigen Alltag verstanden. „Es ist ein Weg, sich selbst zu begegnen“, sagt Sabine Rietman. Ihre eigenen Pilgererfahrungen hätten sie nachhaltig geprägt. Über viele Jahre habe sie ihren Urlaub genutzt, um zu pilgern und neue Kraft für den Arbeitsalltag zu schöpfen.
Infrastruktur und gelebte Pilgertradition
Auch die gute Infrastruktur für Pilgerinnen und Pilger in Lübeck und Norddeutschland hebt Peter Lubb hervor. Unterkünfte lassen sich heute leicht online oder per App finden. Lubb selbst markiert als Mitglied der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft Pilgerwege mit blau-gelben Muschelaufklebern, etwa von Fehmarn bis zum Kloster Nütschau. Besonders sei zudem, dass Lübeck als einzige Stadt in Norddeutschland noch alle drei klassischen Elemente des Pilgerwesens besitzt: Kirche, Hospiz und Herberge. Die historische Gertrudenherberge aus dem Jahr 1360 wird im Rahmen eines Pilgertreffens im März besucht und ist sonst nicht öffentlich zugänglich.
Pilgerherberge heute
Die heutige Pilgerherberge liegt in unmittelbarer Nähe der St.-Jakobi-Kirche und wird von der Gemeinde betrieben. Hier gibt es auch den Pilgerstempel für den Pilgerpass. „Dieser Pass schafft Vertrauen und ist das Erkennungszeichen eines Pilgers“, sagt Regina Musa von der Pilger-AG. Und: „Immer mehr Menschen öffnen sich für das Pilgern.“
Die Pilgertreffen im Überblick
Donnerstag, 29. Januar 2026
Lesung und Gespräch mit Autorin Heike Brümmer
Vorstellung ihres Buches „Grenzen überschreiten“, Erfahrungsbericht und praktische Tipps
Donnerstag, 26. Februar 2026
Jakobswege rund um Lübeck
Vorstellung der regionalen Routen Via Baltica, Via Scandinavica und Via Jutlandica
Donnerstag, 26. März 2026
Pilgerherbergen damals und heute
Besuch der historischen Gertrudenherberge von 1360 und Einblick in die Geschichte der Herbergswege
Donnerstag, 30. April 2026
Jakobus in St. Jakobi
Die Jakobus-Darstellungen in der St.-Jakobi-Kirche mit kurzer Pilgerandacht
Beginn ist jeweils um 18.30 Uhr im Gemeindesaal im Pastorat der St.-Jakobi-Kirche, Jakobikirchhof 3. Nach einer Kennenlernrunde folgt ein etwa einstündiger Vortrag, Reisebericht oder Spaziergang. Anschließend bleibt Zeit für Austausch und Fragen. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden sind willkommen.
Foto: Regina Musa, Peter Lubb, Sabine Rietman und Bärbel Reichelt freuen sich auf die neuen Pilgertreffen als Winterangebot für alle Pilger-Begeisterten und die, die es noch werden wollen.
Text und Bild: Steffi Niemann
Kommentare