26/01/2026 0 Kommentare
Ökumene: Fürbitte für den Iran
Ökumene: Fürbitte für den Iran
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Ökumene: Fürbitte für den Iran
Unser Gebet mit und für die Menschen im Iran
Wir beten zu Dir, Gott,
weil wir auf Dein Erbarmen und Deine Hilfe vertrauen.
Wir bringen vor Dich das Leiden und Sterben der Menschen im Iran.
Sie gehen auf Straßen und Plätze, weil sie für ihre Menschenrechte aufbegehren.
Dafür werden sie gejagt, gefangengenommen und getötet.
Die Schüsse der staatlichen Gewalt zielen auf die Protestierenden,
doch ihr Echo ist weltweit zu hören.
Wir können unsere Augen und Ohren nicht verschließen
vor dem Stöhnen der Zusammengeschlagenen,
den Schreien der Inhaftierten
und der Klage der Trauernden.
Wir beten zu Dir, Gott,
weil unsere Kraft nicht ausreicht, um die Gewalt zu stoppen:
Gib den Aufbegehrenden Mut
und bewahre sie zugleich davor,
sich selbst und andere in Gefahr zu bringen.
Schärfe die Gewissen der Verantwortlichen.
Wir beten zu Dir, Gott,
weil wir nicht aufhören, an das Gute zu glauben und auf Frieden zu hoffen.
Hilf, dass das Böse vom Guten überwunden wird.
Öffne Augen und Ohren,
die Not der Leidenden zu sehen
und die Schreie der Unterdrückten zu hören.
Gib uns den Verstand,
im Nächsten unsere Schwester und unseren Bruder zu erkennen.
Erfülle uns mit Kraft,
auf eine neue Welt zu hoffen.
Amen.
Diese Fürbitte stammt aus dem Referat für Interkulturelle Ökumene von den beiden Beauftragten für Christlich-Jüdischen und Christlich-Islamischen Dialog, Pastor Tobias Pfeifer und Pastor Dr. Sönke Lorberg-Fehring.
Hintergrundinfos
Seit der Revolution von 1979 fliehen Menschen aus dem Iran. Gründe dafür sind die politischen und religiösen Unterdrückungen durch die herrschende schiitische Geistlichkeit, die sich zuspitzende wirtschaftliche Lage sowie die zunehmende Hoffnungslosigkeit großer Teile der Bevölkerung. Bisher hat das Regime alle Proteste brutal niedergeschlagen: 2009 wurde die sogenannte „Grüne Bewegung“ gewaltsam unterdrückt, 2019 hat das Regime das Internet abgeschaltet, um die Aufstände einzudämmen. Drei Jahre später gingen nach dem Mord an Jina Mahsa Amini im Zuge der großen „Frau-Leben-Freiheit-Bewegung“ erneut Tausende von Menschen auf die Straßen. Auch auf die aktuellen Proteste reagiert der Staat mit äußerster Gewalt. Menschenrechtsorganisationen sprechen von über 5000 Toten. Gegenwärtig scheint es, als führe die Gewalt des Regimes dazu, dass die Proteste wieder abnehmen. Allerdings ist es gegenwärtig völlig offen, wie die internationale Staatengemeinschaft darauf reagiert.
Viele Menschen im Iran haben jede Hoffnung auf Veränderung verloren. Deshalb fliehen immer mehr aus ihrer Heimat. Gegenwärtig leben etwa acht Millionen Menschen im Exil – das sind rund zehn Prozent der Bevölkerung. In Deutschland leben etwa 320.000 Menschen mit iranischen Wurzeln. Sie bringen unterschiedliche Lebenserfahrungen mit und haben sich hier ein neues Leben aufgebaut. Die Dokumentarfilmerin Roxana Samedi beschreibt die iranische Diaspora eindrücklich in ihrem Film „Freiheit im Herzen“: https://www.youtube.com/watch?v=rllXcZ7wr1M und der Politiker Omid Nouripour berichtet in dem Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ über seine Flucht aus dem Iran:https://www.podcast.de/episode/689179923/17-omid-nouripour-ueber-seine-flucht-aus-dem-iran-und-wie-man-auf-farsi-rappt
Das Regime reagiert auf Proteste regelmäßig mit dem Abbruch nationaler und internationaler Internetverbindungen. Diese Maßnahmen sind ein Versuch, die Kommunikation der Protestierenden untereinander zu unterbinden. Zugleich verursacht sie bei den Menschen im Exil eine kaum auszuhaltende Ungewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen vor Ort. In diesen Momenten der Hilflosigkeit und Sorge ist es wichtig, dass wir in Deutschland unsere Solidarität mit den Protestierenden im Iran und unser Mitgefühl mit den Menschen im Exil zeigen. Unsere Fürbitte gilt deshalb allen Menschen, die vor Ort an Leib und Leben bedroht sind, und sie gilt denen, die weltweit in Angst leben, dass die gezielten Tötungen weitergehen und dass den Menschen im Iran ihr Menschenrecht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person genommen wird.
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