02/03/2026 0 Kommentare
Die Teufelsfigur von Rolf Goerler (1927 – 2006): Humor, Legende und Identität
Die Teufelsfigur von Rolf Goerler (1927 – 2006): Humor, Legende und Identität
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Die Teufelsfigur von Rolf Goerler (1927 – 2006): Humor, Legende und Identität
Vor 20 Jahren starb Rolf Goerler: Humor, Legende und Identität
Rolf Goerler, in Hamburg geboren, studierte Bildhauerei und Bauplastik in Deutschland und Italien. Ab den 1950er-Jahren war er als freischaffender Künstler tätig und ab 1977 mit einem Atelier in Lübeck ansässig. Sein Werk reicht von figürlichen Plastiken bis zu Arbeiten im öffentlichen Raum.
Die Teufelsfigur vor St. Marien
1999 schuf Goerler die kleine Bronzeplastik des Teufels, die heute als eines der beliebtesten Fotomotive Lübecks vor der südlichen Fassade der Marienkirche steht. Sie nimmt Bezug auf eine alte Lübecker Sage:
Die Legende erzählt, wie der Teufel beim Bau der Marienkirche glaubte, es handele sich um ein Wirtshaus, und eifrig beim Bau half. Erst als er erkannte, dass es eine Kirche war, wollte er sie zerstören – wurde aber mit dem Versprechen eines Wirtshauses „besänftigt“.
Identität und Öffentlichkeit
Die Figur ist heute nicht nur ein beliebtes Fotomotiv in Lübeck, sie ist Ausdruck der kulturellen Identität einer Stadt, die ihre Geschichte mit einem Augenzwinkern erzählt. Durch Goerlers Gestaltung wird eine alte Legende lebendig und für Besucher wie Bewohner erfahrbar, ohne den sakralen Kontext der Kirche zu entwerten. Vielmehr verknüpft sie die historische Tiefe von St. Marien mit der Lebendigkeit urbaner Geschichten und Volkskunde.
Damit schafft Goerler, wie auch die Künstlerin Ingeborg Bukor, deren 100 Geburtstag wir in diesem Jahr würdigen, mit ihren Werken – Bukor mit sensibler Menschen-Symbolik, Goerler mit volkstümlicher Erzählung und Humor – Zugänge zur Marienkirche, die über Architektur hinausgehen:
Sie öffnen den sakralen Raum für Alltagserfahrungen, menschliche Lebensbilder und lokale Erzähltraditionen.
Sie unterstreichen, dass St. Marien nicht nur ein Baudenkmal der Backsteingotik und UNESCO-Weltkulturerbe ist, sondern ein lebendiger Ort kultureller Begegnung und städtischer Identität.
Indem ihre Werke Teil des öffentlichen Raums werden, tragen sie zur künstlerischen Pluralität Lübecks bei: Kunst, die nicht im Museum verborgen bleibt, sondern sichtbar im Stadtraum wirkt.
Die Arbeiten von Goerler und Bukor an St. Marien zeigen, wie Kunst in Verbindung mit Geschichte, Legende und Gemeinschaft über Generationen hinweg wirken kann.
Robert Pfeifer
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