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Der Tod ist besiegt. Neues Leben beginnt. Jetzt - und in Ewigkeit.

Der Tod ist besiegt. Neues Leben beginnt. Jetzt - und in Ewigkeit.

Der Tod ist besiegt. Neues Leben beginnt. Jetzt - und in Ewigkeit.

# D | Predigten

Der Tod ist besiegt. Neues Leben beginnt. Jetzt - und in Ewigkeit.

Predigt am Ostersonntag 2026 im Lübecker Dom zu 1. Kor 15, 19-22 von Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt

I

Christus ist auferstanden, Halleluja - er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja! Endlich ist er da: der Ostermorgen - mit seiner überwältigenden, überraschenden Botschaft: Der Tod ist besiegt. Neues Leben beginnt. Jetzt - und in Ewigkeit. Ja, soll es sein - so wird es sein - so ist es! Amen. Amen. Amen.

 

Liebe Geschwister, ich möchte euch heute von Max und von Soffie erzählen. Max war ein Kindergartenkind, in der Igel-Gruppe meiner ersten Gemeinde. Er kam regelmäßig zum Krabbelgottesdienst, hörte aufmerksam zu und die Lieder sang er begeistert mit. Doch in der Karwoche, als ich mit den Kindern über Tod und Auferstehung Jesu sprach, wurde er still. Schaute skeptisch und nachdenklich drein. Nach dem Gottesdienst kam er zu mir, und fragte mit großen, ernsten Augen: „War das wirklich so? Ich habe einen Moment gezögert und dann gesagt: „Max, ich weiß es nicht. Ich war nicht dabei. Aber ich glaube, dass es wahr ist – dass Gott aus Tod neues Leben macht. Das war vielleicht keine perfekte Antwort. Aber sie war echt - authentisch. Ein paar Tage nach Ostern habe ich Max wieder getroffen. Er war auf dem Weg in den Kindergarten, direkt neben unserem Pfarrhaus. Er lief auf mich zu, winkte, strahlte – und sagte atemlos: „Weißt du was? Ich glaube, der Gott kann das! Und schon war er weiter unterwegs auf seinem Weg in den Kindergarten.

 

Soffie ist schon längst kein Kindergartenkind mehr. Sie ist eine erwachsene, junge Frau. Vor einiger Zeit hat sie ein Lied veröffentlicht. Darin singt sie von einem Land, in dem für immer Frühling ist: wo niemand hungert, niemand friert, wo alle willkommen sind, wo immer ein Platz am Tisch frei ist. Dieses Lied wurde tausendfach geteilt, weitergesungen, neu aufgenommen. Um dieses Lied herum entstand eine Gemeinschaft – verbunden durch die Sehnsucht nach einer anderen, besseren Welt und nach einem Land, in dem Menschen friedlich zusammenleben, keiner hungert und friert und alle willkommen sind. Weil genug für alle da ist.

 

Warum erzähle ich euch von Max und Soffie? Weil sich in beiden Geschichten etwas zutiefst Österliches zeigt. Ich will es so sagen: Stell dir heute am Ostermorgen eine Welt vor, in der Gewalt endet und Kriege verstummen. Eine Welt, in der Kinder behütet aufwachsen und alte Menschen Geborgenheit finden. Eine Welt, in der Unrecht nicht das letzte Wort hat. Eine Welt, in der Menschen achtsam miteinander und mit der Schöpfung umgehen. Eine Welt, in der der Tod keine Macht mehr hat. Ostern fragt: Glaubst du, dass das möglich ist?

 

 

II

Wir leben in unsicheren Zeiten. Kriege erschüttern die Erde. Leid wächst, Angst und Misstrauen greifen um sich. Aber Ostern widerspricht. Ostern rückt die Welt zurecht. Die Osterbotschaft ruft uns: Geh nicht der Dunkelheit nach. Geh nicht der Gewalt nach. Gib die Hoffnung nicht auf.

 

Ostern beginnt am leeren Grab und führt in die Fülle des Lebens. Es zeigt: Gottes Liebe macht Veränderung möglich. Aus dem Tod Jesu am Kreuz wächst neues Leben. Aus Hass wird Liebe. Aus Gewalt wird Versöhnung. Schwerter werden zu Pflugscharen. Ostern ermutigt, nicht aufzugeben: Hoffnung ist da. Neues Leben ist möglich. Gottes Zukunft hat schon begonnen. Gottes Liebe schafft Leben, wo wir nur Grenzen sehen, und Hoffnung wächst, wo wir sie kaum erwarten. Ostern ist gut für Überraschungen, für die große, überwältigende Entdeckung: Jesus Christus ist nicht im Tod geblieben. Jesus Christus ist auferstanden. Der Tod ist besiegt. So überraschend ist das, dass die Frauen am Grab zunächst fliehen und niemanden davon erzählen. So überraschend ist das!

 

Und die Überraschung geht weiter: Die Auferstehung, die Botschaft, dass der Tod nicht das Ende ist, die gilt nicht nur für ihn, für Christus. Nicht nur für den einen, den Gerechten und Auserwählten, den Sohn Gottes. Sondern sie gilt für uns alle.So heißt es im heutigen Predigttext aus dem 1. Korintherbrief: Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.

III

Das ist eine gewaltige Zusage. Aber das möchte man dann doch auch verstehen. Wenn es um so etwas Ungeheuerliches wie die eigene Auferstehung geht, dann will man zu Recht wissen, wie das denn zugehen soll. Schließlich glauben viele nur, was sie sehen. Was beweisbar und deshalb angeblich auch vernünftig ist. Obwohl man zuweilen sicher auch sagen kann, dass noch lange nicht alles, was man sehen oder beweisen kann, auch vernünftig ist. Oder, in Zeiten von Fake News, dass alles, was zu sehen ist, auch wahr ist.

 

Nun, was die Auferstehung angeht, und das ist dann vielleicht keine Überraschung – vernünftig erklären kann man sie nicht. Gott sei Dank. Denn wäre Gott nur vernünftig, dann hätte er uns längst aufgegeben. Zu viel Zerstörung. Zu viel Gleichgültigkeit. Zu viel Schuld. Schluss mit dem Experiment Mensch. Schluss mit einer Sorte Lebewesen, die das eigene Leben und erst recht das Leben anderer so gering achtet. Die sich doch nur um sich selbst und das eigene Wohlleben kümmern. Denen, die Hilfe brauchen oder Zuflucht suchen in größter Gefahr, einfach egal sind.

 

Aber Gott ist nicht nur vernünftig. Gott ist – aus Liebe – unvernünftig. Eine Liebe, die nicht aufgibt. Eine Liebe, die rettet. Eine Liebe, die neu beginnt. Schon einmal, so erzählt die Bibel, stand alles auf dem Spiel – bei der Sintflut. Und Gott suchte einen Menschen für eine scheinbar völlig unvernünftige Aufgabe: Noah. Die Mission Arche. Ziel: Leben erhalten und retten. Gegen alle Wahrscheinlichkeit. Das Leben nicht untergehen lassen, unter keinen Umständen. Auf keinen Fall. Und auch angesichts des Kreuzes hätte Gott sagen können: Genug. Es reicht. Aber Gott sagt nicht: Schluss. Gott sagt: Neubeginn. So, wie man es nur aus einer großen, überwältigenden Liebe heraus sein kann. Liebe tut, was andere nicht verstehen. Sie bleibt, wo andere gehen. Sie hofft, wo andere resignieren. Sie liebt, wo andere längst aufgegeben haben. Wer so liebt, lebt aus der Kraft von Ostern.

 

 

IV

Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.

 

Ostern ist Gottes große Überraschung für uns: Die Überraschung, dass Gott seine Verbundenheit zu uns, seine Liebe zu uns, unter keinen Umständen aufgibt. Nichts kann seine Liebe beenden. Nicht einmal der Tod. Diese Liebe bleibt. Diese Liebe verwandelt: Tod in Leben, Schuld in Vergebung, Zorn in Versöhnung. Die Auferstehung Christi ist Gottes lebendiger Protest gegen alles, was zerstört: gegen Hass, Gleichgültigkeit, Verachtung. Und sie ist Gottes großes Ja zum Leben – zu jedem Menschen, zu allen Geschöpfen, zu allem Leben in seiner Schöpfung.

 

Ostern ruft uns: Lebe diese Hoffnung. Suche den Frieden Gottes. Achte und schütze die Würde aller. Wo Menschen einander die Hand reichen, wo Versöhnung gewagt wird, wo Frieden wächst – wo Menschen in Gottes Namen und Jesu Geist neu anfangen, ist Ostern lebendig. Da wird Ostern sichtbar. Deshalb hängt Ostern auch nicht daran, dass die Sonne scheint, die Blumen blühen oder die Vögel zwitschern. Ostern geschieht, weil Gott es geschehen lässt. Weil Gott uns mit einer überwältigenden Liebe begegnet, die alles, was wir für vernünftig, realistisch, angemessen halten, in den Schatten stellt.

 

V

Der Theologie Karl Barth wurde einmal gefragt: in einem Gespräch über Tod und Auferstehung und ewiges Leben gefragt: „Werde ich im Himmel meine Lieben wiedersehen? Er antwortete darauf ganz spontan: „Machen Sie sich darauf gefasst – aber nicht nur Ihre Lieben! Genau so das ist mit Ostern: es ist größer, weiter, überraschender, als wir denken. Und vielleicht ist das genau der Moment von Max: „Ich glaube, der Gott kann das. Darum: Frieden sei mit dir. Frieden sei mit euch. Amen.

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