Ausstellung „Geknebelter Geist“ in St. Marien

Ausstellung „Geknebelter Geist“ in St. Marien

Ausstellung „Geknebelter Geist“ in St. Marien

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Ausstellung „Geknebelter Geist“ in St. Marien

Die St.-Marien-Gemeinde Lübeck und der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt (KDA) Lübeck präsentieren die Ausstellung „Geknebelter Geist – Politische Überwachung und Verfolgung an der Rostocker Universität 1945 bis 1989/90“ in der Lübecker St.-Marien-Kirche.

Noch bis zum 30. Juni 2026 haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich mit einem wenig bekannten Kapitel deutscher Zeitgeschichte auseinanderzusetzen. Die Ausstellung dokumentiert, wie die sowjetische Besatzungsmacht und später die SED die Universität Rostock über Jahrzehnte politischer Kontrolle unterwarfen. Sie zeigt die Methoden staatlicher Überwachung, Formen des Widerstands sowie die Folgen für Studierende und Mitarbeitende. Die Eingriffe wirkten sich nicht nur auf persönliche Lebenswege aus, sondern prägten auch Forschung, Lehre und das gesellschaftliche Leben an der Universität.

Andersdenkende wurden unter Druck gesetzt, exmatrikuliert, beruflich benachteiligt oder zur Flucht gedrängt. Einige wurden inhaftiert, andere in den Suizid getrieben oder sogar getötet. Die Ausstellung macht deutlich, welche Auswirkungen das Fehlen von Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit auf eine Gesellschaft haben kann.

Kirche und Staatssicherheit

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Einflussnahme des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) auf die Theologische Fakultät der Universität Rostock. Eine eigene Tafel widmet sich der Überwachung und gezielten Zersetzung der Evangelischen und Katholischen Studierendengemeinden. Sie zeigt, wie kirchliches Leben auch im universitären Umfeld unter Beobachtung stand und wie sich Studierende und Mitarbeitende dennoch Freiräume bewahrten.

Peter Heidrich: Ein kritischer Geist in der DDR

Ein weiterer Teil der Ausstellung beleuchtet das Leben und Wirken von Peter Heidrich. Der Theologe, Religions- und Sprachwissenschaftler lehrte an den Universitäten Rostock und Greifswald und war viele Jahre als Philosoph, Dramaturg und Seelsorger an der Hochschule für Musik und Theater Rostock tätig.

Als überregional bekannter und systemkritischer Theologe wurde Heidrich erst nach dem Ende der DDR, im Jahr 1990, zum Professor berufen. Für sein Wirken erhielt er 1993 das Bundesverdienstkreuz. Drei Jahre später wurde er emeritiert. Über einen QR-Code können Besucherinnen und Besucher weitere Informationen zu seiner Biografie abrufen.

Eine Verbindung zwischen Rostock und Lübeck

Trotz der Existenz einer Universitätskirche in Rostock finden die Immatrikulationsfeiern der Universität traditionell in der dortigen St.-Marien-Kirche statt – nach der Wiedervereinigung wurde diese Tradition wieder aufgenommen. Dies unterstreicht die besondere historische und kulturelle Bedeutung der Marienkirchen in Rostock und Lübeck.

Beide Gotteshäuser sind weit mehr als religiöse Orte. Sie prägen das kulturelle Leben ihrer Städte und sind wichtige Räume gesellschaftlicher Auseinandersetzung. Die Ausstellung knüpft an diese Verbindung an und schlägt eine Brücke zwischen universitärer Zeitgeschichte, kirchlichem Engagement und gesellschaftlicher Verantwortung.

Ein würdiger Ausstellungsort

St. Marien zu Lübeck bietet mit ihrem großzügigen Kirchenraum und ihrer historischen Bedeutung einen besonders geeigneten Rahmen für die Ausstellung. Die großformatigen Tafeln laden dazu ein, sich intensiv mit Fragen von wissenschaftlicher Integrität, geistiger Freiheit und Zivilcourage in der DDR auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung umfasst 23 Aufsteller aus Leichtmetallrahmen mit einer Größe von jeweils 1,50 Metern Breite und 2,25 Metern Höhe.

Schirmherr der Ausstellung ist Bundespräsident a. D. Joachim Gauck. Zum Autorenteam gehören Dr. Michael Heinz, Dr. Volker Höffer, Prof. Dr. Kersten Krüger, Prof. Dr. Hermann Michael Niemann, Dr. Wolf Peters und Dr. Peter Uebachs.

Foto, v. l. n. r. Gen. Ernst Horstmann, SED-Bezirksleitung; Gen. Prof. Dr. Wolfgang Brauer, Rektor; Gen. Egon Krenz, Mitglied des Zentralkomitees der SED; Gen. Prof. Dr. Utz Kirsten, Uni-Parteisekretär, N. N. und Gen. Dr. Jürgen Millat, FDJ-Sekretär der Uni in einer Veranstaltung in der Aula am 13. Februar 1981

(Quelle: UAR 009093)

 

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