0451/30 80 10

100. Geburtstag von Professor Hans-Heinrich Otte

100. Geburtstag von Professor Hans-Heinrich Otte

100. Geburtstag von Professor Hans-Heinrich Otte

# M | Aktuelles

100. Geburtstag von Professor Hans-Heinrich Otte

Vom leidenschaftlichen Sportler zum erfolgreichen Volkswirt und Wirtschaftsprüfer:

So könnte das Leben von Prof. Hans-Heinrich Otte zusammenfassend überschrieben werden.

In seiner Jugend waren Tischtennis und besonders Fußball seine Lieblingssportarten, in denen er sich über viele Erfolge freuen konnte.

Für die Gründung und den Aufbau der BDO AG Wirschaftsprüfungsgesellschaft setzte er sich mit aller ihm zur Verfügung stehenden Energie ein. Er machte seine Firma zu einem weltumspannenden Wrtschaftsprüfungsnetzwerk. Globale Weitsicht, persönliche Ausdauer, Durchsetzungskraft, Willensstärke und Verlässlichkeit, Charme und Charisma, mit denen er gesteckte Ziele nicht aus den Augen verlor, charakterisierten Hans-Heinrich Otte als eine herausragende Persönlichkeit. Er war ein Mensch, dem eine außergewöhnliche geistige und körperliche Fitness geschenkt war. Das war die eine Seite.

Die andere Seite lag tiefer und war öffentlich nicht sichtbar. Strikt vom Beruflichen getrennt schützte er seine Privatsphäre: Sein Haus in der Goerdelerstraße in seiner Heimatstadt Lübeck, die er sehr liebte, war für ihn sicherer Hafen, Zufluchtsort und Kraftquelle nach anstrengenden langen Arbeitswochen in Hamburg und beschwerlichen Auslandsreisen. Dazu gehörte im Urlaub sein kleines Paradies und Sehnsuchtsort auf der Nordseeinsel Juist, wo er ganz für seine Familie da war. Außerdem praktizierte er eine großzügige Form von Gastfreundschaft.

Hans-Heinrich hatte als 16jähriger mit seinem Bruder Horst in Lübeck die Palmarum-Nacht vom 28. zum 29. März 1942 direkt miterlebt. Er sah die Doppeltürme der Marienkirche und des Domes brennen und einstürzen. Dieses einschneidende traumatische Erlebnis prägte ihn so sehr, dass er beschloss, 1973 die Präsidentschaft des 1951 gegründeten St. Marien-Bauvereins zu übernehmen. So setzte er sich in dieser Funktion mit voller Kraft für die Erhaltung und Vollendung der St. Marienkirche zu Lübeck weltweit ein. Das hatte zur Folge: Im Außen- und Innenbereich der Kirche wurden Ausstattungsstücke geschaffen, die noch heute das Bild der Kirche außen und innen nachhaltig prägen. Einige davon seien hier genannt: Dachreiter, drei Friedensglocken, Totentanzorgel, Rekonstruktion der Chorschranken, restaurierter Antonius, zentraler Tischaltar, Briefkapellen-Fenster, Lichterbaum und Tympanon-Fenster in der Totentanz-Kapelle. Bis 1998 hatte Hans-Heinrich Otte den Vorsitz im St. Marien-Bauverein inne. In Würdigung seiner außerordentlichen Verdienste besonders um St. Marien verlieh ihm Ministerpräsident Peter Harry Carstensen 2007 in Kiel den Ehrentitel Professor. Aber auch, nachdem Prof. Hans-Heinrich Otte den Vorsitz im Bauverein abgegeben hatte, blieb er St. Marien zutiefst verbunden. So stiftete er 2019 noch zwei Glocken, die er in seinem Haus hören konnte: die Ratsglocke und die Glocke der Gastfreundschaft. Der Weihegottesdienst der beiden Glocken Palmarum 2019 war der letzte Anlass, zu dem er in St. Marien persönlich anwesend sein konnte. 2020 starb Hans-Heinrich Otte im Alter von 94 Jahren. Er hinterließ seine Frau Helga, mit der er noch das 60jährige Ehejubiläum feiern konnte. Sein Sohn, Dr. Holger Otte setzte die Tradition seines Vaters fort, indem er die Finanzierung für drei weitere Glocken übernahm.

Der Trauergottesdienst für Hans-Heinrich Otte konnte wegen der Corona-Pandemie nur im kleinen Familienkreis in seiner geliebten Marienkirche gefeiert werden. Ebenso war – das hätte er sicher von Herzen gewollt! - eine Festveranstaltung in St. Marien zum 100jährigen Bestehen der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im Jahre 2020 nicht möglich. In der Marienkirche, die ihm so vieles zu verdanken hat, und im St. Marien-Bauverein, bleibt Prof. Hans-Heinrich Otte in großer Dankbarkeit unvergessen.

Über dem Traugottesdienst von Hans-Heinrich Otte mit seiner lieben Frau Helga am 12. März 1949 in St. Jakobi und über seinem Trauergottesdienst am 19. März 2020 stand ein Wort aus dem 1. Korintherbrief (11, 3):

Einen anderen Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.


F. Volker Schulze

Dies könnte Sie auch interessieren