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Wolken-Weiß gegen Schwarzmalerei: Von himmlischen und irdischen Wohntrends. Die Predigt am Neujahrsmorgen.

Wolken-Weiß gegen Schwarzmalerei: Von himmlischen und irdischen Wohntrends. Die Predigt am Neujahrsmorgen.

Wolken-Weiß gegen Schwarzmalerei: Von himmlischen und irdischen Wohntrends. Die Predigt am Neujahrsmorgen.

# D | Predigten

Wolken-Weiß gegen Schwarzmalerei: Von himmlischen und irdischen Wohntrends. Die Predigt am Neujahrsmorgen.

Was finden eigentlich alle an weißen Weihnachten, liebe Gemeinde? Dreaming of a white Christmas, Ihr wisst schon. Last Christmas, letzte Woche, gefühlt schon ewig her. Ich träume lieber von einem white New Year. Ist das nicht viel schöner? Siehe, ich mache alles neu – und dann liegt das neue Jahr da vor dir wie frisch gefallener Schnee am ganz frühen Morgen. Spurenlos weiß. Spurlos verschwunden all die Sorgen von gestern, die Hundehaufen und das ganze unaufgeräumte Zeug am Wegesrand. Alles weiß und neu und auf Anfang. Ich lieb‘s. Ich liebe es, in den Tanz der wirbelnden Schneeflocken zu gucken, oder den Wolken zuzusehen, wenn der Himmel über der weißen Pracht aufreißt und die Sonne hervorbricht.

So hätte ich das neue Jahr gerne. Ohne ausgetretene Pfade. Ohne matschige Straßenränder. Ohne Dreck am Stecken und Matsch an den Schuhen. Diese Freiheit, als erste Spuren zu hinterlassen im Schnee. Die kleinen Abdrücke von Vogelfüßen zu entdecken, von Hundepfoten, von Kindern, die noch früher wach waren und jauchzend Schneeengel hinterlassen haben.

Nun gut. Kein White Christmas, kein white New Year. Statt dessen: Same procedure as every year. Das Bauchgrummeln ist immer noch da, die latente Sorge um die Zukunft der Welt. Kein Frieden auf Erden in Sicht, nicht in der Ukraine, nicht im Sudan. Keine Wirtschaftsweisen der Welt in Bethlehem gesichtet oder in Gaza mit Gold im Gepäck zum Wiederaufbau der Geburtsstationen. Alles beim Alten. Der Engel hat sein „Fürchtet euch nicht“ nach dem Krippenspiel wohl wieder eingepackt. „Brot statt Böller“ zieht nicht mehr. Brauner Matsch und Feuerwerksreste allüberall. Toller Start für 2026. Nichts Neues, alle Jahre wieder.

Doch Designer machen nun Mut. Mut zur Farbe. Nein, besser: Mut zu Weiß. Schnee-Weiß, Licht-Weiß, Christfest-Weiß? Weiß ist die Christusfarbe, wie passend. Kurz vor Weihnachten gab die Beratungsabteilung von Pantone die Farbe für dieses neue Jahr bekannt. Die Farbe, die für Trendsetter den aktuellen Zeitgeist trifft, hat einen himmlischen Namen. Es handelt sich um einen Weißton, der den Tanz der Wolken am Himmel beschreibt. So schreibt ein Fachmagazin (ad-magazin): „In einer von Chaos geprägten Welt scheint es nur allzu verständlich, dass zahlreiche Expert:innen 2026 als das Jahr der erdigen Brauntöne, der natürlichen Nude-Farben und Waldgrün-Varianten sehen, die ein Gefühl von Bodenständigkeit vermitteln. Doch anstatt nach unten zu sehen, inspiriert die Pantone-Farbe „Cloud Dancer“ nun überraschend dazu, den Blick in Richtung Himmel zu lenken!“ Tun wir das:

„Lasst euch im Herzen keine Angst machen. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen,“ sagt Jesus zu seinen engsten Vertrauten, als die komplett verunsichert sind. Sie stehen an einer Schwelle. Nicht zu einem neuen Jahr, aber in eine völlig neue Situation. Sie werden ohne Jesus klarkommen müssen. Das will keine hören und erst recht keiner glauben. Also muss Jesus konkreter werden: „Wenn es nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: ›Ich gehe dorthin, um für euch einen Platz vorzubereiten‹? Und wenn ich dorthin gegangen bin und für euch einen Platz vorbereitet habe, werde ich wiederkommen. Dann werde ich euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Ihr kennt ja den Weg zu dem Ort, wo ich hingehe.“

Das, was die Jünger da vor sich sehen, ist ungespurtes Gelände. Mehr Eiswüste als sanfte Schneelandschaft. Kein Tanz der Wolken, sondern beängstigende Unendlichkeit. In der die Blicke keinen Halt finden, weil es keinen Horizont gibt. Weil da die Ferne einfach in den Himmel übergeht und jede Orientierung fehlt.

Aber Jesus ist so etwas wie ein Cloud Dancer. Ein Lord oft he Dance, wie das wunderbare Lied es beschreibt: Dance, dance, whereever you may be, I am the Lord oft he Dance, said he. Ein Cloud Dancer, der mit scheinbarer Leichtigkeit die Grenzen von Himmel und Erde durchbricht und die von Leben und Tod. Ist es nicht wunderbar, dass die Farbe für dieses Jahr tanzen lässt? Ein sanfter, erhabener Weißton. Einer, der einfach Ruhe, Klarheit und Neuanfang symbolisiert und als beruhigende Basis für viele Kombinationen dient, sagen die Menschen, die sich mit Trends auskennen. In ihrer Sprache sagen sie: Dieser subtile, fast ätherische Weiß-Farbton soll in einer Welt der Veränderungen einen Moment der Stille bieten und eine harmonische Kulisse für Kreativität und Achtsamkeit schaffen. Am Beginn des Jahres also ein sanft erwärmtes, luftiges Weiß, das Gelassenheit und Einfachheit schenkt. Das bringt Frische und Weite, ohne kühl zu wirken, und ermöglicht einen visuellen „tiefen Atemzug“. So weit die Ästhet:innen.

Lasst euch im Herzen keine Angst machen, sagt Jesus. Haltet einfach mal die Luft an. Haltet inne. Mit eurer andauernden Schwarzmalerei, mit eurem Ringen um die Grautöne im ewigen Schwarz-Weiß kommt ihr nicht weiter. Seht auf die Auferstehung. Seht auf den, der mich auferstehen lässt. Der mich dem tiefsten Dunkel entreißt. Der euch das Licht der Welt schenkt und euch zu Kindern des Lichtes macht. Glaubt an Gott und glaubt an mich. Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. 

Diese Wohnungen sind sicher anders, als sich Architektinnen und Designer das ausmalen, die in diesem weißen Grundton für 2026 den Eindruck von „schwereloser Fülle“ rühmen, „die sich besonders für sanfte, anpassungsfähige Formen eignet.“ Sie träumen vom „idealen Farbton für plüschige Stoffe, weiche Konturen oder jede Anwendung, die auf starre Formen und klare Grenzen verzichtet. […] Selbst schwere Stoffvorhänge wirken durch Cloud Dancer luftig und fließend“, sagen sie. Das „vermittelt Wärme und Verbundenheit in Ess- und Wohnbereichen. […] Auf Keramik, Geschirr oder anderen handgearbeiteten Objekten unterstreicht die Pantone Farbe 2026 die menschliche Handwerkskunst in ihrer Komplexität und ihren Unvollkommenheiten. Und für alle, die genug von algorithmisch gesteuerten Trends wie bunten Küchenschränken haben, setzt Cloud Dancer ein unaufdringliches Statement.“ Über diese Design-Prosa mag man schmunzeln, aber sie bringt eine Sehnsucht zur Sprache, die Menschen umtreibt: Pure Klarheit und Konzentration ohne Ablenkung auf der einen Seite, Fehlerfreundlichkeit und Nicht-perfekt-Performen müssen auf der anderen. Spannend finde ich, dass ausgerechnet Gemeinschaft, Essbereiche und getöpfertes Geschirr vorkommen. Weiß ist die Farbe himmlischer Begegnung. Alle an einem Tisch. Mit Ecken und Kanten und individuellen Macken. Mit schlichten Tellern und Kelchen. Und Christus mitten unter ihnen. So muss das wohl sein in den himmlischen Wohnungen. Die müssen dafür ganz sicher nicht jedes Jahr neu gestrichen werden.

Keine Angst, wie stark die braunen Kräfte in diesem Land auch scheinen mögen und wie schwarz du siehst beim Blick auf die Weltlage, sagt Jesus. Bei mir ist Platz für dich und euch und für alles, was ihr mit euch herumschleppt. Und wenn ich dorthin gegangen bin und für euch einen Platz vorbereitet habe, werde ich wiederkommen. Dann werde ich euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Ihr kennt ja den Weg zu dem Ort, wo ich hingehe. Da wisst ihr Bescheid, oder? Gut, dass der ungläubige Thomas ausspricht, was wir nicht begreifen. Thomas sagt zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst. Wie können wir dann den Weg dorthin kennen? Jesus antwortet: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Es gibt keinen anderen Weg zum Vater als mich.

Die Farbe tanzender Wolken. Die Farbe tanzender Schneeflocken. Die Farbe frisch gefallenen Schnees. Da geht dein Blick ins Offene. Weite geht in den Himmel über. Grenzenlos und glänzend. Zarte Vogelspuren sind da, vielleicht ist auch schon eine Maus vorbeigehuscht. Einer hat dir den Weg schon gebahnt durch die gefährlichen Klippen und über die rutschigen, eisglatten Stellen. Ich bin der Weg, sagt Jesus. Ich geh voraus. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ich bin der Weg zum Vater für dich. Lauf einfach los. Nimm dir unterwegs Zeit, um Schneeengel zu machen. Engel hat die Welt nie genug. Und schau den Wolken zu, wie sie tanzen. Da berühren sich Himmel und Erde.

Amen

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