Die Orgeln
In der St. Jakobikirche befinden sich die drei letzten historischen Orgeln Lübecks mit reichem originalen Pfeifenbestand. In ihrer Vereinigung von Stilelementen der Gotik, der Renaissance und des Barock sind sie mit Abstand die bedeutendsten Instrumente in weitem Umkreis, ja, sie zählen zu den interessantesten Orgeln überhaupt. Ihre ältesten Teile, die heutigen Hauptwerke, stammen aus den Jahren 1466 bzw. 1467. Es sind gotische Werke, von denen es weltweit nur noch sehr wenige gibt. (Die großen Lübecker Marienorgeln fielen 1942 den Flammen zum Opfer.)
Hörproben:
Prof. Arvid Gast an den historischen Orgeln in St. Jakobi
Johann Sebastian Bach: Fantasie g-Moll (BWV 542),
Arvid Gast, Orgel
Georg Philipp Telemann: Suite für Trompete und Orgel F-Dur,
Arvid Gast, Orgel, Joachim Pliquett, Trompete
Die grosse Orgel (Westorgel)
Das jetzige Hauptwerk mit dem sichtbaren originalen 16'-Prinzipal war ursprünglich ein sogenanntes Blockwerk (gotisch, 1466). Der Lübecker "Orgelmacher" Hans Köster fügte 1573 ein Rückpositiv hinzu. 1673 vergrößerte Jochim Richborn (Hamburg) das Rückpositiv und fügte die mächtigen flankierenden Basstürme sowie ein Brustwerk hinzu. Letzteres wurde 1740 durch Julius Bünting um drei 8'-Register erweitert und mit neuer, größerer Windlade als Oberwerk hinter dem Hauptwerk aufgestellt; zugleich erhielt das Pedal eine zusätzliche Posaune 32'.
Bei der grundlegenden Wiederherstellung 1983/84 durch die Werkstatt Karl Schuke (Berlin West), wurde das prächtige Gehäuse stabilisiert und ergänzt. Der historische Pfeifenbestand (immerhin in noch 22 Registern) wurde maßgebend für alle neu herzustellenden Pfeifen. Diese sind demzufolge aus hochprozentigem Blei. Nur das neue Oberwerk (hinter dem Hauptwerk, im Schwellkasten) erhielt Zinnpfeifen.
Die Orgel ist gleichstufig gestimmt (a' = 442 Hz bei 18° C) und hat seither auf vier Manualen und Pedal 62 Stimmen. Spiel- und Registertraktur sind mechanisch, letztere zusätzlich mit großer Setzeranlage (Magnete).
Weitaus mehr originale Substanz enthält noch
Die kleine Orgel (Stellwagenorgel, Nordorgel)
und ist deshalb kulturgeschichtlich von allergrößtem Wert. Das gotische Blockwerk von 1467 baute Friedrich Stellwagen 1636/37 zum Hauptwerk mit Schleif-Windladen um und fügte Rückpositiv, Brustwerk und ein schwach besetztes Pedal hinzu. Die Windladen und fast alle Pfeifen der Manualwerke sind noch original vorhanden. Das Pedal wurde seit 1935 -Jakobi-Organist war damals Hugo Distler - weiter ausgebaut. Seit der letzten Restaurierung (Hillebrand 1977/78) hat die Orgel 31 Register auf 3 Manualen und Pedal und steht wieder im alten Chorton (Ganzton höher als heutiger Kammerton). Die Einstimmung erfolgte nach "Werckmeister, 1. Temperatur."(1681)
Alle Pfeifen sind aus hochprozentigem Blei, Ergänzungen und Neuanfertigungen entsprechen in Legierung und Mensur genau dem historischen Bestand.
Die Manuale haben die sogenannte "kurze Oktave": C, D, E, F, G, A bis c''', während das Pedal alle Töne enthält von C bis d'.
Die Stellwagenorgel ist besonders geeignet für Musik der Renaissance, des frühen Barock und der Buxtehude-Zeit. Doch auch viel danach Entstandenes, bis hin zu Werken des 20. Jahrhunderts, gewinnt ganz besondere Frische durch die herrliche, unverwechselbare Farbigkeit dieses Instruments.
Hörprobe:
Das Richbornpositiv
Die beiden großen historischen Orgeln konnten 2003 wieder durch ihre kleine Schwester ergänzt werden, ein rekonstruiertes Richbornpositiv in dem originalen Schrank von 1673. Damit hat die Hansestadt Lübeck in der Jakobikirche den vollständigen Satz von Bauart und Klang gleichrangiger Instrumente im Stil der Blütezeit Buxtehudes zurückerhalten, was wohl weltweit einen einmaligen musikalischen Reichtum darstellt.











